Doskozil und Babler

„Mit diesem Dream-Team können wir Erster werden!“

Oberösterreich
04.06.2023 16:09

Wie hat Oberösterreichs SPÖ-Chef Michael Lindner den historischen Bundesparteitag in Linz erlebt und wie muss es jetzt weitergehen mit der Sozialdemokratie in Österreich? Das beantwortet er für die „Krone“ am Sonntag (hier ungekürzt). Und er erklärt auch, warum die SPÖ nun das richtige „Dream-Team“ für den Sieg bei der nächsten Wahl habe. Wagemutig?

„Krone“: Von Parteitagspräsidium aus, wie haben Sie diesen Parteitag eigentlich erlebt? Er ist ja, finde ich als journalistischer Beobachter, eigentlich überraschend friedlich abgelaufen.
Michael Lindner: Ich glaube, man hat schon die Anspannung und die Erwartungshaltung in der Früh war zum Greifen, im Tagungsaal genauso wie in den Gesprächen draußen. Aber ich war sehr froh und glücklich darüber, dass wir als SPÖ es gestern geschafft haben, das respektvoll und in einer konstruktiven Art und Weise auszudiskutieren und diese Personalentscheidung zu fällen. Also das war ein sehr erwachsener und guter Parteitag, mit einer knappen, aber klaren Entscheidung am Schluss.

Wie ist das eigentlich gelungen? Warum hat es nicht mehr gekracht? Man hat ja durchaus erwarten können, dass da verfeindete Lager eher hasserfüllt aufeinander losgehen, oder?
Ich glaube, es war allen Verantwortungsträgern - und da waren ja Delegierte, die ja auch in Bezirken Funktionen haben - ein Anliege, dass wir gestärkt und nicht geschwächt aus dem Parteitag hervorgehen wollen. Und das hat sich schon gezeigt, dass alle sehr verantwortungsvoll mit den Wortmeldungen und auch mit der Diskussionsatmosphäre umgegangen sind. Und deswegen sage ich, das war ein sehr erwachsener und vernünftiger Parteitag. Jetzt stehen eh die nächsten Aufgaben vor uns in Richtung Teamaufstellung und eben Aufeinanderzugehen. Das war gestern aus meiner Sicht ja ein erster Schritt und weitere müssen folgen.

Was bedeutet dieses knappe Ergebnis 53:47 letztlich? Ist es in einer Demokratie halt so, dass man mit 50+-Prozenten der Chef ist. Oder war das in dieser Knappheit nicht eher eine Nicht-Entscheidung?
Mein Punkt war schon, dass das Befragungsergebnis mit 34, 31, 31 eines war, das zum Miteinander zwingt und auch dieses Ergebnis. Ja, 50 Prozent und eine Stimme reicht bei so einem Parteitag. Und jetzt ist sozusagen Hans Peter Doskozil natürlich gefordert, auf das Team rund um Andi Babler zuzugehen und da hoffnungsvolle Talente in einer Teamlösung aufzustellen. Da war gestern auch wichtig, dass Doskozil diese große Geste gemacht hat und Babler auf die Bühne geholt hat. Das war ein sicheres Zeichen, dass man gemeinsam jetzt Schritt für Schritt das Projekt aufbaut.

Ich gehe davon aus, dass die SPÖ Oberösterreich natürlich einiges mitzureden haben wird beim Entstehen dieser Teamlösung. Wird man aber auch oberösterreichische Sozialdemokraten in Doskozils Team sehen?
Mir ist jetzt einmal wichtig, dass wir uns an der Spitze verbreitern, dass wir uns in der Geschäftsführung, in der Klubführung und auch insgesamt breiter aufstellen. Das ist ja auch erforderlich, weil Hans Peter Doskozil ja nicht im Parlament ist. Wir können damit zeigen, dass wir auch in den Bundesländern gute politische Talente haben, und mir ist vor allem wichtig, dass ausreichend Frauen dabei vertreten sind. Und dann werden wir auch inhaltlich mitreden natürlich, da warten wir jetzt mal auf die Vorschläge von Hans Peter Doskozil.

Jetzt mal abgesehen von Teamfindung und dergleichen: Wie muss es jetzt insgesamt mit der Sozialdemokratie in Österreich aus Ihrer Sicht weitergehen? Was ist jetzt nach diesem Parteitag das Wichtigste?
Also wir zeigen ja in Wahrheit, mit beiden Personen, mit Hans Peter Doskozil und Andreas Babler, dass wir in einer guten Weise aufgestellt sein können, wenn wir diese Gemeinsamkeit jetzt schaffen. Und es damit schaffen, das junge, progressive, urbane Umfeld mit Andreas Babler und dieser seiner Bewegung zu mobilisieren, und gleichzeitig haben wir mit Hans Peter Doskozil jemanden, der in die politische Mitte ausstrahlt und Kanzler-Statur hat. Und das ist, im Gemeinsamen gedacht, in Wahrheit ein Dream-Team, mit dem wir das Ziel, klarer Erster zu werden bei der nächsten Nationalratswahl, auch erreichen können.

Das heißt, Sie gehen davon aus, dass Babler und Doskozil gemeinsam marschieren werden, um ein Wort zu benutzen, das zum nächsten 1. Mai passt.
Das ist, offen gesagt, meine klare Erwartungshaltung. Also wenn wir aus diesen letzten Monaten etwas gelernt haben, dann das, dass es zwar unterschiedliche inhaltliche Schattierungen geben kann, aber wir dann unschlagbar sind, wenn wir in der ganzen Breite uns nach außen hin aufstellen. Das heißt natürlich, dass es Schritte auf Andreas Babler zu braucht, damit er vor allem in einen inhaltlichen Prozess für die Nationalratswahlen einsteigt, der meiner Ansicht nach auch unter viel Beteiligung von Mitgliedern gestaltet werden soll. Damit man auch Bilder zeichnen kann, wie wir uns Österreich in 10, 20 und 30 Jahren vorstellen und welche Alternative wir zu Schwarz-Blau zu bieten haben.

Wie haben denn Sie persönlich die beiden Reden von Hans Peter Doskozil und Andreas Babler empfunden? Also mir war, etwas zugespitzt gesagt, Doskozil zu langweilig und Babler zu klassenkämpferisch. Wie ist es Ihnen ergangen?
Also Hans Peter Doskozil hat mit seiner Rede das wieder beweisen können, nämlich dass er ein starker, klarer Umsetzer in der Tagespolitik ist, im politischen Tagesgeschäft. Und Babler hat eine emotionalisierende Rede fürs Bauchgefühl gemacht. Und diese beiden Reden zusammengefasst zeigt sich für mich wieder das Dream-Team für die Sozialdemokratie. Sie waren unterschiedlich, aber insgesamt im Doppelpack aus meiner Sicht die richtige Mischung.

Also die beiden Reden zusammengefasst, sind dann die Dream-Rede des Dream-Teams, sozusagen.
Genau!

Eine letzte Frage noch. Sie haben gesagt, man wird nie wissen, wie die oberösterreichischen Mitglieder abgestimmt haben bei der Befragung davor, weil es keine Länderauswertungen gibt. Aber weiß man, wie die oberösterreichischen Delegierten abgestimmt haben?
Nein, weiß man auch nicht. Ich kann es auch nicht einschätzen, ehrlicherweise.

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