Prohaska-Kolumne:

Diese Wiederauferstehung hat auch mich überrascht

Fußball International
21.04.2023 07:05

Ein Mailänder Klub steht auf jeden Fall im Finale der Champions League. Wer das sein wird, werden sich Inter und AC Milan in den kommenden Wochen ausmachen. Österreichs Jahrhundert-Kicker Herbert Prohaska erinnert sich in seiner „Krone“-Kolumne an seine Zeit in der italienischen Modestadt und an historische Duelle.

Der Semifinal-Hit in der Champions League zwischen Inter und Milan löst bei mir sehr große Vorfreude aus. Ich erinnere mich an viele Stars und ein Derby-Hoppala aus meiner aktiven Zeit.

Folgenschwerer Jubel
Wenn ich ans Mailänder Derby denke, muss ich schmunzeln. Weil mir spontan mein Hoppala von 1982 einfällt, als ich beim 2:1 gegen Milan bei strömendem Regen mit einem Abstauber-Tor früh das 1:0 für Inter erzielte. Ich bin dann vor 70.000 Fans im San Siro vor unsere Kurve gelaufen, wollte so jubeln, wie es gerade in Mode war - auf Knien rutschend.

Auf dem nassen Rasen hat es mir dabei aber die Beine auseinandergedrückt, wich die Freude dem Schmerz. Diagnose: Leistenzerrung! Trainer Eugenio Berselini musste mich auswechseln, drohte: „Wenn wir das verlieren, setzt es eine Mörder-Geldstrafe.“ Welche mir dank des Sieges erspart blieb. Aufs Rutschen habe ich danach verzichtet.

In aller Munde
Mit dem Mailänder Derby als Semifinal-Kracher in der Champions League hatte ich nicht gerechnet. 20 Jahre nach dem letzten Duell in der Königsliga - auch damals ein Semifinale, das Milan dank der Auswärtstorregel für sich entschied - wird die Mode-Metropole ab 10. Mai wieder eine Woche lang ganz im Zeichen dieser sportlichen Wiederauferstehung stehen. Ob Büro, Bar oder U-Bahn - überall wird dann nur über das „Derby della Madonnina“ gesprochen werden, die Fans im Alltag stolz das Trikot ihres Teams tragen.

Es sind zwei Klubs mit unglaublich viel Tradition und entsprechend vielen Titeln, da wird man mit dem Aufzählen der Stars in all den Jahrzehnten so schnell nicht fertig. Spontan fällt mir das Milan-Star-Ensemble mit den Holländern Rijkaard, Gullit und van Basten ein - Letzterer ist für mich bis heute einer der komplettesten Stürmer aller Zeiten.

Und dann als Gegenpol zu jener Zeit Inters deutsche Achse mit Brehme, Matthäus und Klinsmann. Damals, in den 80er- und 90er-Jahren, wollte jeder nach Italien, spielte ein Weltstar wie Brasiliens Zico in Udine. Heute, wo jeder, sofern nicht Real oder Barcelona anklopfen, nach England drängt, absolut undenkbar. Dazu kommen aufseiten der „Rossoneri“ Legenden wie Rivera, Baresi, Maldini oder Schewtschenko, bei Inter fallen mir spontan noch Mazzola, Altobelli und Zanetti ein. Klingende Namen, wie man sie heute etwas vermisst - doch die Qualität in beiden Kadern ist dennoch eine gewaltige.

Von fünf Derbys mit Inter gegen Milan habe ich zwischen 1980 und 1982 keines verloren - das war das Wichtigste. Wobei ich betone: Ich gab in jedem dieser Mailänder Duelle stets 100 Prozent, doch im Herzen fühlte sich für mich kein Derby so intensiv an wie jene mit Austria gegen Rapid.

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