Do, 19. Juli 2018

Fehler bei Routine-OP

04.09.2011 13:43

Fall Nadina: Klinik leistet nach Jahren erste "Soforthilfe"

Das Schicksal der kleinen Nadina hat schockiert: Nach einer Routine-OP in der Innsbrucker Kinderklinik wird sie ihr Leben lang schwerstbehindert bleiben. Spitalsbetreiber Tilak versprach Jahre später eine "Soforthilfe". 70.000 Euro sind nun eingetroffen – Schuldeingeständnis und Entschuldigung sind das nicht, auch die anfallenden Kosten werden durch die Summe bei Weitem nicht gedeckt. Nun soll die Justiz helfen.

Anfang Jänner 2008 zerstörte ein Schicksalsschlag das Glück der Familie: Die Routine-OP an Töchterchen Nadina ging schief. Seither wollen die Eltern wissen, was tatsächlich im OP-Saal passiert ist. Vergeblich. Vor zwei Wochen reichten sie mithilfe der AK Klage ein. Daraufhin reagierte die Tilak: "Wir haben eine Soforthilfe von 70.000 Euro bereitgestellt", erklärte Tilak-Sprecher Johannes Schwamberger. Angeblich schon Wochen davor – nur die Gegenseite wurde nicht informiert.

Am Freitag langte der Betrag auf dem Konto von Rechtsanwalt Thomas Juen ein. Dabei wurde ausdrücklich festgehalten, dass die Zahlung kein Schuldanerkenntnis darstellt.

"Diese 70.000 Euro klingen ohne Hintergrundwissen nach viel Geld. De facto deckt diese Summe nicht einmal Nadinas Pflegeaufwand für ein Jahr", erklärt Juen. Er fordert in einer Schadenersatzklage gegen die Tilak rund 360.000 Euro (200.000 Euro davon sind Schmerzensgeld) sowie die Haftung der Tilak für künftige Schäden nach dieser Operation.

Versicherungsgutachter empfahl höheren Betrag
Diese Summe wirkt im Vergleich zu einem Gutachten, das die Haftpflichtversicherung der Tilak eingeholt hat, noch gering: Darin führt Werner Gerstl aus, dass er im Falle eines Verschuldens der Tilak eine mehr als doppelt so hohe Schmerzensabgeltung empfehlen würde. Die bisher höchste je in Österreich geleistete Schmerzensgeldzahlung beträgt 220.000 Euro.

Die Tilak sträubt sich, Fehler bei dem Eingriff einzugestehen und sich zu entschuldigen. Die ärztliche Direktorin Alexandra Kofler bezeichnete Nadinas missglückte OP schon vor längerer Zeit als "schicksalhaft" und berief sich auf eine Stoffwechsel-Vorerkrankung des Kindes. Diese konnte allerdings bisher nicht benannt oder nachgewiesen werden.

Elternverein findet Tilak "menschenverachtend"
Tilak-Sprecher Schwamberger erklärte im "Krone"-Gespräch, dass jede Entschuldigung und jede Leistung bei so einem Schicksal zu wenig seien und dass die Schuldfrage erst vom Gericht geklärt werden müsse. Gabriele Fischer vom Elternverein Kinderklinik bezeichnete indes die "Sofortzahlung" der Tilak nach fast vier Jahren als "Zynismus". "Die Summe ist auf die Lebenszeit des Mädchens nicht einmal der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Ich finde, dass das Management der Tilak menschenverachtend und inkompetent handelt."

Die kleine Nadina war am 4. Jänner 2008 im Alter von sechs Wochen am Landeskrankenhaus Innsbruck operiert worden. Bei der Behandlung kam es zu Komplikationen, die mit einem massiven Gehirnschaden des Kindes endeten. Das Mädchen leide laut dem Anwalt unter anderem an tiefgreifenden Entwicklungs- und komplexen Wahrnehmungsstörungen, einer Sehstörung und einer schweren Epilepsie mit therapieresistenten Krampfanfällen.

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