Kreml verneint Angriff

Raketenschlag: Bereitschaft in Polens Armee erhöht

Ausland
15.11.2022 22:43

Neue Eskalation im Russland-Ukraine-Konflikt: Bei einer Explosion in Polen nahe der ukrainischen Grenze sind am Dienstag zwei Menschen ums Leben gekommen. „Feuerwehrleute sind vor Ort, es ist unklar, was geschehen ist“, sagte ein diensthabender Beamter am Abend. Polnische Medien hatten zuvor berichtet, zwei verirrte Raketen seien in Przewodow eingeschlagen. Auch die Nachrichtenagentur AP meldete unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise, bei dem Einschlag russischer Raketen seien zwei Menschen getötet worden. In Polen herrscht Alarmzustand.

Als Reaktion auf die Explosionen hat Polen einen Teil seiner Streitkräfte in erhöhte Bereitschaft versetzt. Dies gelte auch für andere uniformierte Dienste, erklärte ein Regierungssprecher in Warschau. Es gehe dabei um bestimmte militärische Kampfeinheiten sowie die Kampfbereitschaft von Einheiten der uniformierten Dienste, sagte er, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Artikel 4 wird geprüft
Außerdem habe man gemeinsam mit den NATO-Verbündeten beschlossen, zu überprüfen, ob es Gründe gebe, die Verfahren nach Artikel 4 des NATO-Vertrags einzuleiten, sagte er. Artikel 4 sieht Beratungen der NATO-Staaten vor, wenn einer von ihnen die Unversehrtheit seines Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht sieht.

Russland dementierte die Attacken. Es seien keine Ziele nahe der polnisch-ukrainischen Grenze angegriffen worden, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Moskau. Die Angaben über einen Einschlag russischer Raketen auf polnischem Staatsgebiet wurden als bewusste Provokationen bewertet. Diese hätten das Ziel, die Situation zu eskalieren, so das Ministerium weiter.

Trümmer von Abwehrraketen?
Auch die in polnischen Medien verbreiteten Fotos angeblicher Trümmerteile hätten nichts mit russischen Waffensystemen zu tun, hieß es aus Moskau. Militärexperten erklärten, die Fragmente (siehe Foto oben) könnten von S-300-Abwehrraketen stammen. Derartige Raketen wurden an die Ukraine geliefert, sie werden aber auch von Russland als Angriffswaffen verwendet. Russland hatte am Dienstag Dutzende Ziele in der Ukraine mit Raketen angegriffen. Die ukrainische Luftwaffe berichtete von rund 100 Geschossen.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die Berichte könnten gegenwärtig nicht bestätigt werden. Man werde die Meldungen über den Raketeneinschlag prüfen. Zum jetzigen Zeitpunkt habe das Pentagon keine Informationen, die sie bestätigen könnten.

NATO prüft Vorfall
Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki berief eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrates ein, wie sein Regierungssprecher Piotr Müller auf Twitter mitteilte. Er warnte allerdings davor, ungeprüfte Informationen zu verbreiten. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte auf Twitter, dass die NATO den Vorfall genau prüfe und sich eng mit seinen Verbündeten berate. Es sei wichtig, dass der Sachverhalt genau ermittelt werde, betonte Stoltenberg.

Man sei angesichts der Meldungen „sehr besorgt“, hieß es vom estnischen Außenministerium auf Twitter. Man berate sich eng mit Polen und anderen Verbündeten. Estland sei bereit, „jeden Zentimeter NATO-Territoriums“ zu verteidigen, dem engen Verbündeten Polen gelte „volle Solidarität“. Auch der belgische Premier Alexander De Croo sicherte Polen die Unterstützung zu. „Belgien steht an der Seite Polens. Wir sind alle Teil der NATO-Familie, die mehr denn je geeint und gerüstet ist, um uns alle zu schützen“, schrieb er am Dienstagabend auf Twitter. Belgien verurteile den Vorfall aufs Schärfste und spreche den Familien der Opfer und dem polnischen Volk sein tiefstes Beileid aus.

Sorge bei Verbündeten
Der geschäftsführende Außenminister des NATO-Mitglieds Dänemark, Jeppe Kofod, bezeichnete den Vorfall als sehr besorgniserregend. „Wir stehen in engem Kontakt mit Polen und unseren anderen Verbündeten in der NATO.“ Er betonte aber auch, man wisse noch nicht genau, was passiert sei. „Wir sind dabei, das gemeinsam mit unseren Verbündeten zu klären.“

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock zeigte sich betroffen. „Meine Gedanken sind bei Polen, unserem engen Verbündeten und Nachbarn“, so die Grünen-Politikerin am Dienstagabend. „Wir beobachten die Situation genau und stehen in Kontakt mit unseren polnischen Freunden und NATO-Verbündeten.“

Selenskyj verlangt Reaktion der NATO
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meinte in einer ersten Stellungnahme, dass er immer davor gewarnt habe, dass sich russische Aktionen nicht nur auf sein Land beschränken würden. Zudem versicherte er Warschau seine Solidarität zu und legte sich sodann fest, dass es russische Raketen gewesen seien, die polnisches Territorium getroffen hätten. Jetzt sei eine Reaktion der NATO gefordert, verlangte Selenskyj.

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