Der Dachverband der Menschen mit Behinderungen - Argesodit - hat im Vorfeld der Tiroler Landtagswahl die Programme der Parteien im Hinblick auf die künftige Aufstellung der Behindertenhilfe abgeklopft. Das Fazit der betroffenen Einrichtung ist wenig überraschend: Die Politik hat offenbar wieder einmal etwas „vergessen“. Von den Tiroler Parteien ist nur eine alarmiert.
Mehr als 10.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen beziehen Leistungen aus der Tiroler Behindertenhilfe. 3500 Mitarbeiter sind bei der Argesodit in der Betreuung beschäftigt. Weiters kommen noch unzählige Angehörige und andere Unterstützungsnetzwerke hinzu. „Wir sind also sehr viele“, betonten am Montag Ludwig Plangger (Obmann), Vorstand Georg Willeit und Geschäftsführerin Gabriela Ebner-Rangger.
„Sprechen von mehr als zwei Mandaten“
„Wir sprechen hier - wenn man von einer Wahlzahl von 8330 ausgeht - also von mehr als zwei Mandaten“, rechnete das Trio vor. „Wir begleiten unsere Klientinnen und Klienten oft über Jahrzehnte, ein Leben lang, bei Bedarf rund um die Uhr.“
Existenzen, Lebensqualität, Rechte
„Es geht um Existenzen, um Lebensqualität im wahrsten Sinn des Wortes und um die Rechte von Menschen mit Behinderung. Trotzdem besteht der Eindruck, dass die dringlichen und existenziellen Anliegen zu wenig wahrgenommen und vor allem strukturell nicht stark genug verankert sind“, erklären sie weiter.
Wir haben alle Parteien angeschrieben, geantwortet hat nur eine.
Obmann Ludwig Plangger
Dies zeigen aktuell auch die Programme der wahlwerbenden Gruppen für die Landtagswahl, die kaum in „barrierefreien Versionen“ bzw. in leichter Sprache vorliegen. „Wir haben deshalb alle Parteien angeschrieben, geantwortet hat nur eine, nämlich die SPÖ – und zwar viel und differenziert“, sagt Plangger.
Mitarbeiter laufen davon
Teuerung und Personalmangel treffen auch die Behindertenhilfe enorm. „Doch wie beim Corona-Bonus und beim Pflegepaket erfahren wir immer erst auf Nachfragen, was geplant ist.“ Dazu kommen strukturelle Mängel: „Beispielsweise sind Menschen mit Behinderung und ihre betreuenden Organisationen vom Heizkostenzuschuss ausgeschlossen“, kritisieren sie. Die dezentrale Behindertenhilfe bedeutet für Mitarbeiter mitunter hohe Fahrtkosten, „das Kilometergeld ist seit 15 Jahren nicht angepasst worden“. Die Kosten fressen die Tarife auf, Mitarbeiter laufen davon.








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