02.08.2022 13:13 |

Österreichs Torfrau

Zinsberger: „Wollen ja keine Millionen verdienen“

Österreichs Fußball-Torhüterin Manuela Zinsberger genießt gerade einige freie Tage mit ihrer Verlobten Madeleine in der Nähe von Düsseldorf. Im „Krone“-Interview sprach die Arsenal-Legionärin über gecrashte Pressekonferenzen, den BH-Jubel von Englands Siegestorschützin Chloe Kelly und die Zukunft des Frauenfußballs in Österreichs.

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„Krone“:Du hast in Deutschland das Endspiel mit der Familie deiner Verlobten Madeleine gesehen. Wie habt ihr den nicht gegebenen Handelfmeter für Deutschland beurteilt?
Manuela Zinsberger: Die Stimmung im Wohnzimmer war sehr aufbrausend. Ich bin gespannt, ob sich die Video Assistant Referees oder die Schiedsrichterin noch äußern werden. Wenn wir bei Arsenal Vorträge zum Thema Handspiel im Strafraum bekommen, lautet die Empfehlung, quasi die Arme hinter dem Rücken zusammenzuschnallen. Und in die dieser Szene war der Arm über Schulterhöhe vom Körper weggestreckt. Aber der Sack ist zu. Menschen machen Fehler.

Deine Arsenal-Teamkollegin Beth Mead wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt und teilte sich den goldenen Schuh der besten Torjägerin mit Alexandra Popp. Wie tickt Beth Mead?
Sie hatte schon bei uns eine unglaubliche Saison. Dann bei der EM auf dieser Bühne bei diesem Druck im eigenen Land so aufzuspielen, das ist atemberaubend. Sie ist ein sehr offener, warmherziger und liebevoller Mensch. Dazu hat Beth einen super Humor. Diese Mischung führt vielleicht zur Leichtigkeit, mit der sie agiert. Sie ist verdient beste Spielerin des Turniers geworden. Was ich aber schade finde, dass nicht auf die beste Torhüterin des Turniers gewählt wurde. Nicht, dass ich dafür eine Kandidatin gewesen wäre. Aber es fühlt sich ein bisschen wie fehlender Respekt für die Position der Torhüterin an.

Wie hast du den Jubel von Siegestorschützin Chloe Kelly erlebt?
Das waren Emotionen pur, eine geile Aktion. Interessant war, dass es für so viel Aufmerksamkeit gesorgt hat. Wenn sich ein Mann das Trikot auszieht, ist das ja auch normal.

Die englischen Spielerinnen haben nach dem Finale die Pressekonferenz der Teamchefin gecrasht und haben dabei voll abgefeiert. Das Vorbild war dabei scheinbar die österreichische Nationalmannschaft, die das schon lange nach großen Siegen macht…
Es ist schön, wenn wir Inspirationen liefern (lacht). Aber wenn du bei der Heim-EM im ausverkauften Wembley-Stadion den Titel holst, kommt so etwas automatisch. Da lässt jeder die Sau raus.

Euer Viertelfinale gegen Deutschland haben fast eine Million Menschen im ORF geschaut. Beim Finale saßen in der Verlängerung über 800.000 Menschen vor den Geräten …
Das sind tolle Zahlen. Wir sind dem ORF extrem dankbar, dass er so eine ausführliche Berichterstattung von der EM ermöglicht hat. Das war schon sehr besonders. Auch wie uns der ÖFB unterstützt hat, war großartig. Was er uns bei dieser EURO ermöglicht hat, war unglaublich. Was da alles im Hintergrund gemacht wurde, haben viele nicht gesehen.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat gesagt, dass man weiter in den Frauenfußball investieren und ihn auf exakt dieselbe Weise wie den Männerfußball entwickeln müsse. Was muss aus deiner Sicht in Österreich passieren?
Wir müssen den entstandenen Schwung mitnehmen und schauen, dass die Euphorie bleibt. Wir müssten mehr Investoren gewinnen und noch mehr Mädchen für Fußball begeistern. Sehr wichtig wäre es, die österreichische Frauen-Bundesliga besser dastehen zu lassen. Es kann nicht sein, dass fast alle Bundesliga-Spielerinnen arbeiten müssen, viele sogar einen 40-Stunden-Job haben. Da müssen die Gehälter angehoben werden. Wir wollen ja keine Millionen verdienen, aber gerne von unserem Job leben können. Generell müssen wir nicht nur reden, sondern auch Taten sprechen lassen.

Matthias Mödl
Matthias Mödl
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