Ein Premstättner Unternehmen kann in jedes System eindringen: Diese Cyber-Elite gehört aber zu „den Guten“ und schützt mit internationalen Kollegen Atomkraftwerke und Raketenstützpunkte. DIe „Steirerkrone“ schaute ihnen bei einem Lokalaugenschein über die Schulter.
Eine zwielichtige Gestalt mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen, irgendwo in einem Hinterzimmer vor dem Computer - so stellt man sich Hacker vor. Die hier in Premstätten sehen anders aus: Auch der Chef lässig in Turnschuhen, in hellen Räumen mit einladenden Loungemöbeln, im Hintergrund rennen die Kaffeemaschine und der Schmäh. „Wir punkten mit dem Arbeitsklima“, so Markus Seme, Geschäftsführer von BearingPoint.
Kein Wechsel auf „die dunkle Seite“
Der Erfolg dürfte ihm recht geben: Von jenen, die hier bislang ausgebildet wurden, sei nahezu jeder beim Betrieb geblieben. Und nie würde einer, davon ist Seme felsenfest überzeugt, „auf die dunkle Seite“ wechseln. Obwohl die Mitglieder der Cyber-Superelite wohl sehr gefragt wären. Aber „unsere Leute sind unbeirrbar in ihrer Ethik. Das wird durch unsere Firmen-DNA noch verstärkt.“
Hacken auf Auftrag
Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, sich, auf Auftrag hin natürlich, in die Systeme von Firmen zu hacken. „Um damit Schwachstellen aufzuzeigen und danach den geeigneten Schutz anzubieten.“ Nötig sind solche Maßnahmen: Auch heimische Betriebe werden immer öfter und immer brutaler von Verbrechern gehackt und mit hohen Lösegeldforderungen konfrontiert.
140 Niederlassungen hat BearingPoint weltweit
200 Mitarbeiter sind bei BearingPoint in Premstätten beschäftigt. Neue werden gesucht. Man lockt mit lässigen Arbeitsbedingungen und beachtlichen Prämien.
Täter bleiben meist im Dunkeln
Viele Täter stammen dabei laut Semes aus Russland oder China. „Ihre Erfolgsquoten sind hoch, ihr Risiko, gefasst zu werden, ist gering.“ Doch die Guten rüsten auch auf - allein das System im Keller mit den vielen gesicherten Schränken und den Kabeln ist eindrucksvoll. Was, wenn man da einen Stecker zieht? Seme: „Sie werden lachen, aber das tun wir sogar manchmal, um zu überprüfen, ob unsere Systeme halten.“ Tun sie.
Immer einen Schritt voraus sein
Die Steirer schützen nicht „nur“ heimische Firmen, sie können vor allem mit israelischen Super-IT-Leuten gut, sind international nachgefragt und ausgezeichnet. Seme: „Wir schützen auch Atomkraftwerke und Raketenstützpunkte.“ Und da heißt es auf Zack und immer einen Schritt vor den bösen Hackern zu sein: „Einmal wurde ein Angriff auf ein Atomkraftwerk gestartet, das so sicher und isoliert war, dass nicht mal ein Kabel nach draußen ging.“
Cyber-Crime lauert überall
Privaten bietet BearingPoint kein Service an, weist aber auf Sicherheitslücken hin, etwa bei öffentlichen Kameras oder Babyphonen. Beim Betanken von Elektroautos soll es sogar eine große Sicherheitslücke geben, „wir warnen da seit Jahren“, so Seme. Wir wollen hier keine Gebrauchsanweisung geben, aber er zeigt uns vor, wie erschreckend einfach es sein soll, auf Kosten anderer zu tanken. Markus Seme betont: „Prävention ist immer noch die beste Maßnahme gegen Attacken.“












Kommentare
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).