Internet-Kriminalität

So kämpfen steirische Hacker gegen Cyber-Crime

Steiermark
20.07.2022 14:43

Ein Premstättner Unternehmen kann in jedes System eindringen: Diese Cyber-Elite gehört aber zu „den Guten“ und schützt mit internationalen Kollegen Atomkraftwerke und Raketenstützpunkte. DIe „Steirerkrone“ schaute ihnen bei einem Lokalaugenschein über die Schulter.

Eine zwielichtige Gestalt mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen, irgendwo in einem Hinterzimmer vor dem Computer - so stellt man sich Hacker vor. Die hier in Premstätten sehen anders aus: Auch der Chef lässig in Turnschuhen, in hellen Räumen mit einladenden Loungemöbeln, im Hintergrund rennen die Kaffeemaschine und der Schmäh. „Wir punkten mit dem Arbeitsklima“, so Markus Seme, Geschäftsführer von BearingPoint.

Kein Wechsel auf „die dunkle Seite“
Der Erfolg dürfte ihm recht geben: Von jenen, die hier bislang ausgebildet wurden, sei nahezu jeder beim Betrieb geblieben. Und nie würde einer, davon ist Seme felsenfest überzeugt, „auf die dunkle Seite“ wechseln. Obwohl die Mitglieder der Cyber-Superelite wohl sehr gefragt wären. Aber „unsere Leute sind unbeirrbar in ihrer Ethik. Das wird durch unsere Firmen-DNA noch verstärkt.“

(Bild: Christian Jauschowetz)

Hacken auf Auftrag 
Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, sich, auf Auftrag hin natürlich, in die Systeme von Firmen zu hacken. „Um damit Schwachstellen aufzuzeigen und danach den geeigneten Schutz anzubieten.“ Nötig sind solche Maßnahmen: Auch heimische Betriebe werden immer öfter und immer brutaler von Verbrechern gehackt und mit hohen Lösegeldforderungen konfrontiert.

Fakten

140 Niederlassungen hat BearingPoint weltweit

200 Mitarbeiter sind bei BearingPoint in Premstätten beschäftigt. Neue werden gesucht. Man lockt mit lässigen Arbeitsbedingungen und beachtlichen Prämien.

Täter bleiben meist im Dunkeln
Viele Täter stammen dabei laut Semes aus Russland oder China. „Ihre Erfolgsquoten sind hoch, ihr Risiko, gefasst zu werden, ist gering.“ Doch die Guten rüsten auch auf - allein das System im Keller mit den vielen gesicherten Schränken und den Kabeln ist eindrucksvoll. Was, wenn man da einen Stecker zieht? Seme: „Sie werden lachen, aber das tun wir sogar manchmal, um zu überprüfen, ob unsere Systeme halten.“ Tun sie.

Hinter verschlossenen Türen verstecken sich Milliarden von Daten. (Bild: Christian Jauschowetz)
Hinter verschlossenen Türen verstecken sich Milliarden von Daten.
Für Laien nur ein gewaltiger bunter Kabelsalat, doch da steckt so einiges dahinter. (Bild: Christian Jauschowetz)
Für Laien nur ein gewaltiger bunter Kabelsalat, doch da steckt so einiges dahinter.

Immer einen Schritt voraus sein
Die Steirer schützen nicht „nur“ heimische Firmen, sie können vor allem mit israelischen Super-IT-Leuten gut, sind international nachgefragt und ausgezeichnet. Seme: „Wir schützen auch Atomkraftwerke und Raketenstützpunkte.“ Und da heißt es auf Zack und immer einen Schritt vor den bösen Hackern zu sein: „Einmal wurde ein Angriff auf ein Atomkraftwerk gestartet, das so sicher und isoliert war, dass nicht mal ein Kabel nach draußen ging.“

Chef Markus Seme weist auf Gefahren im Alltag hin, etwa beim Laden von Elektroautos. (Bild: Christian Jauschowetz)
Chef Markus Seme weist auf Gefahren im Alltag hin, etwa beim Laden von Elektroautos.

Cyber-Crime lauert überall 
Privaten bietet BearingPoint kein Service an, weist aber auf Sicherheitslücken hin, etwa bei öffentlichen Kameras oder Babyphonen. Beim Betanken von Elektroautos soll es sogar eine große Sicherheitslücke geben, „wir warnen da seit Jahren“, so Seme. Wir wollen hier keine Gebrauchsanweisung geben, aber er zeigt uns vor, wie erschreckend einfach es sein soll, auf Kosten anderer zu tanken. Markus Seme betont: „Prävention ist immer noch die beste Maßnahme gegen Attacken.“

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