17.07.2022 09:00 |

Bei Leichtathletik-WM

Amerikaner sprinten zu 100-Meter-Dreifach-Sieg

Unmittelbar vor dem 100-m-Finale donnerten zwei US-Fighter über das Hayward Field - so als ob die Leichtathletik-WM einen kleinen Hauch von der „Super Bowl“ nach Eugene holen wollte. Dann zündeten die US-Sprinter ein Feuerwerk auf der Laufbahn des Hayward Field. Der Gastgeber feierte durch Fred Kerley (9,86), Marvey Brace und Travon Bromell (beide 9,88) einen Dreifachsieg. Kerley: „Wir haben gesagt, wir machen das. Und wir haben das gemacht.“ Zum dritten Mal nach 1983 und 1991 feierten die USA damit einen Medaillen-Sweep über 100 m.

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Für den 27-jährigen Kerley ist damit ein neues Zeitalter im Sprint für die USA angebrochen. Jahrelang war die einstige Großmacht im Kurzstreckenlauf von Jamaika mit Usain Bolt an der Spitze vorgeführt worden. Kerley: „Jetzt aber haben wir zurückgeschlagen.“ Vor 31 Jahren hatten Carl Lewis, Leroy Burrell und Dennis Mitchell in Tokio zuletzt einen Dreifachsieg für die USA geholt. „Es ist ein Traum, jetzt mit diesen großen Namen in einem Atemzug genannt zu werden“, meinte Kerley, im Vorjahr in Tokio Olympiazweiter über 100 m. Burrell würdigte seine Epigonen: „Ehrlich, ich habe auch nie etwas anderes von diesen Sprintern erwartet. Es ist die beste Gruppe, die wir seit Ewigkeiten gehabt haben.“

Für Kerley soll die WM nun auch der Startschuss gewesen sein für eine erfolgreiche Kampagne in Richtung der Olympischen Spiele in Los Angeles 2028: „Wir müssen auch viel tun, um die Leichtathletik bei uns weiter populär zu machen.“ Die olympische Sommersportart Nr. 1 steht in den USA vollkommen im Schatten der großen Profisportarten. Daran wird sich wohl auch nie etwas ändern. Der Dreifachsieg von Eugene rückt die Leichtathletik zumindest momentan etwas in den Blickpunkt.

Für die Leichtathletik aber ist es eigentlich ein Armutszeugnis, dass selbst beim 100-m-Finale das Stadion nicht ausverkauft war. Und das, obwohl ohnehin nur 12.000 Tickets zum Verkauf kommen. Das Hayward Field sah zwar gut gefüllt aus, aber überall waren dennoch leere Plätze zu sehen. Ohnehin ist bis Sonntag keine der Abendsessions ausverkauft. Nach dem Triple-Erfolg kam kurz WM-Atmosphäre auf, hallten auch „USA-USA“-Rufe durch die Arena. Aber alles kein Vergleich zu den großen WM-Sprints von Carl Lewis oder Usain Bolt, wo eine knisternde Stimmung schon lange vor dem Startschuss zu spüren war…

Seinen Erfolgslauf will Kerley bei der WM jetzt natürlich auch über 200 m und in der Staffel fortsetzen. Große WM-Geschichte hat er aber schon jetzt geschrieben, nach 400-m-Bronze in Doha 2019 ist er jetzt der einzige Athlet, der bei einer WM über 100 m und 400 m eine Medaille gewonnen hat.

„Da fehlt dann nur noch eine Medaille über die 200 m! Das ist jetzt klarerweise mein Ziel!“, meinte Kerley, der erst im Vorjahr überraschend von den 400 m zu den 100 m gewechselt war. Grund: „Ich wollte der schnellste Mann der Welt werden. Dieser Titel zieht am meisten.“ Im Vorjahr hatte er in Tokio noch gegen den Italiener Marcell Jacobs verloren, jetzt aber steht er dort, wohin er wollte: ganz oben im Rampenlicht.

Olaf Brockmann
Olaf Brockmann
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