29.04.2022 06:00 |

„Krone“-Reportage

Eurofighter: Nur die Besten dürfen abheben

Bis Ende nächster Woche trainieren in Zeltweg Eurofighter-Piloten Überschallflüge. Die „Krone“ hat hinter die Kulissen des Fliegerhorsts Hinterstoisser geblickt. Nicht jeder darf hier ins Cockpit steigen...

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Die Finger stecken in den Ohren, aber wenn ein Eurofighter in nächster Nähe startet, dann beben der ganze Körper und das ganze Tal. Erst, als die Kampfjets vom Fliegerhorst Hinterstoisser über den nächsten Berg abdrehen, sind sie außer Hörweite.

„Die ersten 15 Sekunden sind am schwierigsten“, erklärt Pilot Patrick Wöss, Codename: „Beauty“. Sofort bläst sich der Anzug des 30-jährigen Oberösterreichers auf. „Das verhindert, dass das Blut in die Gliedmaßen fließt. Es muss im Kopf bleiben.“ Sonst wird man ohnmächtig. „Und das darf nicht passieren.“ Plan B? Fehlanzeige.

Jahrelanges Training, bevor man abheben darf
Dafür trainieren Wöss und seine Kollegen mindestens sechs Jahre, bevor sie den Eurofighter fliegen dürfen. „100 bis 200 Rekruten mit der Tauglichkeit von sieben, acht oder neun melden sich jedes Jahr“, erklärt Fluglehrer Jörg Sandhofer. Nach einer medizinischen Untersuchung bleiben dann noch etwa 20 über. „Ein Einzelgänger bringt uns aber nichts. Er muss im Team funktionieren.“

Dann teilen sich die Interessenten auch noch einmal in Hubschrauber- und Transportflieger-Piloten. Am Weg zum Jet-Piloten geht es nach Süditalien und Norddeutschland, bis man schließlich in Zeltweg den Dienst antritt. Zwischen 15 und 20 aktive Piloten und 15 Jets gibt es hier.

Bei etwa 1200 km/h überschreiten die Eurofighter die Überschall-Grenze. In zehn Minuten fliegen die Kampfpiloten von Zeltweg nach Vorarlberg. Wie das geht? Nur über dem normalen Passagier-Verkehr auf 13.000 bis 14.000 Metern.

„Man muss sich vorstellen, dass es im Jahr 2021 etwa 1,4 Millionen Flugbewegungen über Österreich gegeben hat. Da muss man einen Überschallflieger erst einmal durchbringen“, sagt Presseoffizier Martin Leitner. Das gehört geübt – zweimal im Jahr für zwei Wochen, derzeit noch bis Ende nächster Woche. „Der Simulator ist eine gute Übung, ersetzt aber keinen Flug“, erklärt Leitner.

„Die G-Kräfte, gemeinsame Manöver – das geht nur in echt. Außerdem müssen auch die Radar-Leit-Offiziere am Boden lernen, mit so schnellen Flügen umzugehen.“ 35 bis 45 Menschen braucht es, damit ein Eurofighter überhaupt starten kann. „Vom Technik-Team über die Flugsicherung und das Wetter-Team bis hin zu Feuerwehr, Notarzt und Tank-Crew.“ Die Piloten haben außerdem einen eigenen Fitnessraum inklusive Trainer.

Natürlich hebt Patrick Wöss öfter ab als an diesen vier Wochen im Jahr. Flüge unter der Schall-Geschwindigkeit werden öfter geübt. Dazu kommt Luft-Boden-Schießen drei- bis viermal im Jahr. „Und ich war 2021 über 50 Stunden im Simulator.“

Etwa alle zwei Wochen wird es ernst
Zwei Piloten warten immer in Alarmbereitschaft unweit der Flieger. Etwa alle zwei Wochen gibt es einen sogenannten Alpha-Start – einen Alarmstart. „Wenn ein verdächtiger Luftraumnutzer über Österreich fliegt und nicht per Funk erreichbar ist, fliegen wir hin“, sagt Wöss und betont: „Jeder, der im im österreichischen Luftraum unterwegs ist, profitiert von den Eurofightern.“

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Seit Ende Februar merken wir, dass die Bevölkerung genauer auf den Himmel hört und schaut. Bei uns bleiben die Abläufe aber wie immer.

Oberstleutnant Martin Leitner, Fliegerhorst Hinterstoisser

Was hat sich seit dem Krieg in der Ukraine verändert? „Wir führen den Flugbetrieb ganz normal fort, haben höchstens die Überwachung ein bisschen intensiviert“, erklärt Martin Leitner. Die Menschen aber schauen aufmerksamer in den Himmel. „Deswegen ist ist es so wichtig, dass alle über die Trainings Bescheid wissen.“

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