27.02.2022 07:00 |

Reden hilft

Wie man mit Kindern über den Krieg spricht

Raketen, Panzer, Explosionen: Den Krieg bekommt auch der Nachwuchs mit. Was ihm Sorge bereiten kann. Reden hilft, raten die Experten - und zwar am besten altersgerecht.

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Mit dem Thema Krieg sollte man Kinder nicht allein lassen, sagt Peter Stippl, Präsident des Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP): „Wenn das Kind aktiv danach fragt, sollte man darauf eingehen“ - unter Berücksichtigung von Entwicklungsstand und Kindesalter. Aber was antworten auf „Mama, was ist ein Krieg?“ Bei einem Volksschulkind etwa das: „In der Schule gibt es auch manchmal Streit und es rauft wer. Wenn das die Großen tun, weil der eine mehr Platz haben will vom anderen, ist das ähnlich, nur schlimmer: Die raufen mit Waffen.“ Sagen, dass das gefährlich, kein guter Weg sei, um Probleme zu lösen - aber manchmal dennoch passiere.

Ängste, die Kinder nicht formulieren können
„Wenn das Kind nicht aktiv fragt, sollte man es beobachten“, so Stippl. „Eltern kennen das Gefühl, wenn das Kind etwas beschäftigt. Da kann man fragen, ob es sich über etwas Sorgen macht. Man kann ihm ruhig zum Thema verhelfen.“ Je älter das Kind ist, desto eher kann man es zum Sprechen animieren: Nachfragen, ob es etwas mitgekriegt hat, ob in der Schule, in der Pause über Krieg gesprochen wurde. „So kommt man am ehesten darauf, ob es Ängste hat.“ Die es vielleicht selbst gar nicht formulieren kann. Und keine Angst davor, sich wegen des eigenen Geschichtswissens zu blamieren, darum geht es nicht. Vielmehr darum, dem Kind zu vermitteln, dass es hier sicher ist - in Österreich, bei den Eltern. Fehler machen, kann man nicht. Stippl: „Darüber zu sprechen kann nicht schaden - eher so zu tun, als ob nichts wäre.“

Ähnlich kennt es Helga Pöttler von der Arbeit: Die Steirerin, selbst Mama, ist Volksschullehrerin. Sie schaut bei solchen Themen, ob bzw. wie sie mit den Kids ins Gespräch kommt - und dabei darauf, was bei ihnen an Infos, Fragen, Sorgen da ist. „Man muss achtsam sein, schauen, wie es ihnen geht“, sagt Pöttler, „zeigen, ich bin da, ich hör dir zu.“

Hilfe und Kontakte

Wer Tipps für Gespräche mit seinen Kids sucht, kann sich etwa auf www.elternseite.at, www.rataufdraht.at und www.sos-kinderdorf.at informieren.

Professionelle Unterstützung bietet z. B. auch der Bundesverband für Psychotherapie unter www.psychotherapie.at.

Und alles zu Falschmeldungen gibt es auf www.mimikama.at.

Das Thema behutsam angehen, auf Hintergründe einzelner Schüler Rücksicht nehmen. Den Kindern Ausdrucksmöglichkeiten geben, etwa durch Zeichnen. Relevant sei auch der Zeitpunkt, um solche Themen aufzugreifen: Pöttler behandelt diese z. B. in der Gruppe beim täglichen „Morgenkreis“ - und achtet darauf, „diesen mit einem positiven Bild zu beenden“. Damit die Kleinen gemeinsam positiv in den Tag starten können. So sollten es auch die Großen halten.

„Bilder lösen starke Gefühle aus“
Über soziale Medien machen Kriegsbilder schnell die Runde. Das kann Kinder verstören, weiß Birgit Satke von Rat auf Draht: Bei den jungen Anrufern ist der Krieg längst Thema.

„Krone“: Frau Satke, was bewegt unsere Kinder?
Birgit Satke: Man bemerkt ihre Unsicherheit, vor allem wegen der örtlichen Nähe des Krieges. Manche haben Angst, dass er auch zu uns kommt, manche wollen wissen, wo man Informationen herbekommt, bei manchen geht es um Verschwörungstheorien. Und manche machen sich um die Bevölkerung in der Ukraine Sorgen.

Infos bekommt der Nachwuchs heutzutage ja schnell. Worauf sollten Eltern diesbezüglich aufpassen?
Über soziale Medien, die gerade die Jungen viel und gern nutzen, werden manchmal auch schockierende Bilder und Videos geteilt. Das kann bei den Kindern sehr starke Gefühle auslösen. Hier sollten Eltern nachfragen, das Thema mit den Kindern besprechen, ihnen auch sagen, dass solche Bilder starke Emotionen hervorrufen können und dass man so etwas selbst vielleicht nicht weiterleitet, damit die Bilder nicht auch noch anderen Angst machen.

Auch weiß man ja oft nicht, ob das Material„echt“ ist?
Ja, man kann gemeinsam versuchen, herauszufinden, woher es kommt, wer die Quelle ist, ob es vielleicht Falschmeldungen sind. Hilfe bietet etwa der Verein Mimikama im Internet.

Was empfehlen Sie, wenn die Informationsflut die Jungen zu überfluten droht?
Derzeit sind die Medien natürlich voll mit der Berichterstattung über den Krieg. Es ist auch gut, sich darüber zu informieren und ganz normal, dass man davon betroffen und mitgenommen ist. Umso wichtiger ist es aber auch, Nachrichtenpausen zu machen, also bewusst mit den Kindern etwas ganz anderes zu machen, etwa spazieren zu gehen. So können Kinder auch wieder zur Ruhe kommen und sich erholen.

Silvia Schober
Silvia Schober
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