„Keine große Wirkung“

GECKO gegen Quarantäne-Verkürzung auf drei Tage

Politik
22.01.2022 16:33

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hatte in einem Interview angedeutet, dass man die Quarantäne angesichts der Omikron-Welle „neu andenken“ müsse. Wie, das sollte das Beratungsgremium GECKO erarbeiten. Die Krisenkoordination tat dies in ihrer jüngsten Sitzung - und rät der Regierung davon ab, die Quarantäne für Corona-Infizierte weiter zu verkürzen. Der Grund: Einerseits sei „keine große Wirkung auf den Schutz der kritischen Infrastruktur zu erwarten“, andererseits würden die Gesundheitsbehörden durch eine solche Maßnahme erheblich mehr belastet.

Seit 8. Jänner können sich infizierte Personen wie auch Kontaktpersonen nach fünf Tagen - früher waren es zehn Tage - freitesten. Angesichts der mit der Omikron-Variante stark angestiegenen Anzahl Erkrankter und damit auch ausfallender Arbeitskräfte wurden u.a. seitens der Wirtschaft, aber auch seitens der Stadt Wien Forderungen nach einer Verkürzung der Quarantäne laut.

GECKO-Vorsitzende Katharina Reich (Bild: APA/HANS PUNZ)
GECKO-Vorsitzende Katharina Reich

Infizierte nach drei Tagen „noch ziemlich sicher positiv“
Die Gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination GECKO ging in ihrer Sitzung am Freitag also der Frage nach, ob man dreifach geimpfte Personen mit negativem PCR-Test bereits ab dem dritten Tag aus der Absonderung entlassen sollte. Und kam zu dem Schluss, dass „von der Umsetzung dieses Vorhabens abgeraten“ wird. Denn es werde erwartet, dass Infizierte nach drei Tagen noch ziemlich sicher positiv sind.

„Auf Kosten der ohnehin knappen PCR-Kapazitäten“
Man könne also nicht mit einer großen Wirkung für den Schutz der kritischen Infrastruktur rechnen. Den Gesundheitsbehörden würde es allerdings sehr viel mehr Arbeit machen, müssten sie doch bei jedem positiven Fall den Status erheben und einen entsprechenden Bescheid ausstellen. „Bei sehr hohen Fallzahlen wäre das wahrscheinlich auch nicht mehr machbar“, stellt Gecko fest. Und merkt auch noch an: Tests am dritten Tag und dann bei den meisten Infizierten wieder am fünften Tag würden „auch auf Kosten der ohnehin knappen PCR-Kapazitäten gehen“.

Österreichweites PCR-Testnetz ab zweitem Quartal
Im Fokus des Expertengremiums steht in nächster Zeit der Ausbau der PCR-Teststruktur, bestätigte Gecko-Vorsitzender Rudolf Striedinger - er ist stellvertretender Generalstabschef im Verteidigungsministerium - in einer Stellungnahme zum Bericht. Kommende Woche werde man mit Vertretern des Lebensmittelhandels reden, über den in vielen Bundesländern die Abwicklung läuft. Ab dem zweiten Quartal 2022 soll es ein österreichweites Testnetz geben, kündigte Generalmajor Thomas Starlinger eine Neugestaltung der in vielen Bundesländern unzulänglichen Struktur an. Mit den Laborbetreibern wurde darüber schon in der Vorwoche gesprochen.

Da man im ersten Quartal - trotz der massiven Omikron-Welle - mit den derzeitigen PCR-Ressourcen auskommen muss, empfiehlt Gecko im Bericht „weiterhin eine Priorisierung bei Testungen, vor allem im Bereich der Pflege, Schulen und im kritischen Versorgungsbereich“.


Diskussion um Homeoffice-Pflicht für Isolierte

Bundeskanzler Nehammer betonte in dem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „profil“, dass sein Augenmerk einmal mehr auf der kritischen Infrastruktur liege - diese deckt von den Krankenhäusern über die Müllabfuhr bis hin zum Lebensmittelhandel viele wesentliche Bereiche ab. Damit reagiert er auch unmittelbar auf eine Forderung des ÖVP-Wirtschaftsbundes, der diese Woche darauf gedrängt hatte, dass Mitarbeiter in Quarantäne oder Isolation von zu Hause weiterarbeiten sollen. Eine Absonderung dürfe nicht automatisch wie ein Krankenstand behandelt werden.

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