07.01.2022 12:44 |

Prüfung in Schwurbeln

Corona-Verharmlosung an Uni Wien sorgt für Wirbel

Corona-verharmlosende Aussagen mehrerer Vortragender einer Ringvorlesung an der Universität Wien sorgen aktuell für Wirbel - und Protest bei der Österreichischen HochschülerInnenschaft. Sie wirft der Vorlesung vor, eine „Plattform für menschenverachtende Haltungen“ zu bieten, und fordert daher deren Absetzung.

Wie der Sender FM4 berichtet, sollen in der von der Universität Wien, der Technischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur (BOKU) seit Oktober abgehaltenen Ringvorlesung mit dem Titel „Corona - eine transdisziplinäre Herausforderung“ Eckpunkte der Corona- und der Klimakrise diskutiert werden. Vortragende, wie der inzwischen von der Medizin-Uni Wien gekündigte Leiter der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin, Andreas Sönnichsen, sollen die akademische Sorgfaltspflicht vernachlässigt und die Thematik einseitig betrachtet haben.

„Das war mir dann doch zu ominös“
„Der Titel der Lehrveranstaltung, die Transdisziplinarität und die Kooperation der Unis haben mich neugierig gemacht. Schon bei der Einleitung der Organisatorin und spätestens bei dem Vortrag von Herrn Sönnichsen habe ich ein ungutes Gefühl bekommen. Das war mir dann doch zu ominös“, zitierte der Radiosender eine Studentin, die bei der ersten Einheit der Ringvorlesung online dabei war.

„Keine Maschinen, in die man einfach eine Spritze reinsticht!“
Sönnichsen soll in dieser unter anderem darauf beharrt haben, dass das Coronavirus für die Masse der Bevölkerung nicht gefährlich sei. „Wir sind keine Maschinen, in die man einfach eine Spritze reinsticht!“, empörte sich Christian Schubert, Mediziner am Universitätsklinikum für medizinische Psychologie in Innsbruck und Leiter des dortigen Labors für Psychoneuroimmunologie, dem Bericht nach nur wenige Wochen später in seinem Vortrag über die Covid-19-Impfung.

Grüner Pass als „Mittel der staatlichen Überwachung“
Kritik an der Impfung äußerte dem Bericht nach auch Andrea Komlosy, Historikerin an der Universität Wien,
die die Ringvorlesung organisiert und die Impfung ungeachtet mangelnder medizinischer Kompetenzen als „eingebildeten Schutz“ bezeichnete. Der Grüne Pass sei für sie ein „Mittel der staatlichen Überwachung“.

Umstritten sind dem Bericht nach auch die Äußerungen des Münchner Kommunikationswissenschaftlers Michael Meyen. Er soll laut FM4 Medien unterstellt haben, nicht die Wahrheit abzubilden, und Studierenden daher alternative Medien, wie jenes des deutschen Verschwörungsideologen Ken Jebsen, KenFM, empfohlen haben.

Verschwörungstheoretische Tendenzen“
Verschwörungstheoretische Tendenzen“ und Falschinformationen finden sich dem Bericht nach auch in den aus (YouTube-)Videos und Texten bestehenden Vorbereitungsmaterialien zur Ringvorlesung. So sollen darin Personen zu Wort kommen, die die Existenz von Aids leugnen oder die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA als „Inside-Job“ bezeichnen.

Das auch vom FPÖ-Chef Herbert Kickl wiederholt empfohlene Pferdeentwurmungsmittel Ivermectin werde in diesen Videos gelobt, die mRNA-Impfung mit Tretminen verglichen, heißt es.

„Keine ECTS für Corona-Verharmlosung“
In einem offenen Brief an die Rektorate der Hochschulen fordert die ÖH Uni Wien gemeinsam mit den jüdischen österreichischen HochschülerInnen, der Studienvertretung IG POWI und der Fakultätsvertretung für Sozialwissenschaften der Uni Wien daher die Absetzung der Ringvorlesung. Diese biete eine „Plattform für menschenverachtende Haltungen“, so die Kritik. Es dürfe „keine ECTS für Corona-Verharmlosung geben“.

Die Universitäten distanzieren sich auf Nachfrage von FM4 von jeglicher Covid-19-Verharmlosung und appellierten zur Impfung. Zugleich betonten die Hochschulen aber auch die Wichtigkeit der akademischen Freiheit. Die BOKU kündigte gegenüber dem Radiosender an, Stellungnahmen der handelnden Personen einzuholen und diese zu prüfen.

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