Rauchbomben im Einsatz

Waldbrand bei Rax: So laufen die Ermittlungen

Der Ende Oktober durch das verheerende Feuer zerstörte Bergwald im Rax-Gebiet in Niederösterreich wird mit Hochdruck aufgeforstet. Am Dienstag wurden bereits erste Bäumchen in die verkohlte Erde gesteckt. Indes gestalten sich die Ermittlungen nach dem bisher größten Waldinferno Österreichs ebenso umfangreich wie schwierig. 

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Nach Brand aus stiegen Experten des Landeskriminalamtes Niederösterreich mit Alpinisten - ein Hubschrauber konnte aufgrund des Windes nicht fliegen - zu einer abenteuerlichen Klettertour auf 850 Meter Höhe auf. Tatsächlich konnte mittels Nachstellen durch Rauchbomben und des Vergleichs von Augenzeugen-Handyfotos bzw. der Aufnahme der Wetterkamera der Rax-Seilbahn vom Entstehungstag der „Tatort“ auf zehn Meter eingekreist werden.

Jedenfalls fanden sich dort, auf einer Art kleinen Aussichtsplattform, verräterische Spuren. Es handelt sich um zwei Steinkreise bzw. eine frische und offenbar schlecht abgelöschte Feuerstelle. Die Ermittler gehen von einer „fahrlässigen Herbeiführung“ aus, falls eine Zigarette mit im Spiel war, sogar mit bedingtem Vorsatz.

Chefinspektor Erich Rosenbaum: „Bei dem Löscheinsatz gab es mehr als 22.000 Flugstunden. Der Schaden beträgt 30 Millionen Euro, 14 Feuerwehrleute wurden verletzt. Derzeit wird das Gipfelbuch überprüft. Auf Nachfrage der „Krone“ zu einer Funkzellenauswertung - also wer am 25. Oktober mit dem Handy am Berg eingeloggt war - hieß es, eine Genehmigung dafür stehe vonseiten der Justiz noch aus ...

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Bei dem Löscheinsatz gab es mehr als 22.000 Flugstunden. Der Schaden beträgt 30 Millionen Euro, 14 Feuerwehrleute wurden verletzt.

Chefinspektor Erich Rosenbaum

Blitzstart für Aufforstung
Am Dienstag wurde erstmals die Aufforstung des zerstörten Gebietes in Angriff genommen. Bei eisigen Temperaturen drangen die Naturbewahrer der Stadt Wien von Hirschwang aus in eine Waldwildnis vor, die eigentlich keine mehr ist. Der verheerende Flächenbrand im Herbst hat das einst immergrüne Paradies in eine lebensfeindliche schwarze Wüste verwandelt.

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Es wird eine kleine Ewigkeit dauern, bis sich der Wald wieder erholt und seine Schutzfunktion für Klima und die Menschen im Tal erfüllen kann

Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz

„Dieses Feuer hat tiefe Spuren hinterlassen und auch die Humusschicht zerstört. Es wird eine kleine Ewigkeit dauern, bis sich der Wald wieder erholt und seine Schutzfunktion für Klima und die Menschen im Tal erfüllen kann“, so Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz. Seine Blicke schweifen über verkohlte Stümpfe und Baumgerippe. Das betroffene Gebiet befindet sich großteils im Besitz der Stadt Wien.

„Jetzt stehen die Zeichen wieder auf Hoffnung“
Gemeinsam mit Stadtrat Jürgen Czernohorszky war er am Dienstag zum Lokalaugenschein ausgerückt. Was beiden zusätzlich Sorge bereitet: Die Fläche ist absolut erosionsgefährdet. Erste Sofortmaßnahme ist das Fällen der am stärksten betroffenen oder schon abgestorbenen Bäume, die quer zum Hang zum Liegen kommen sollen und damit den neuen, zarten Schösslingen Halt geben werden.

Auch die gezielte Aussaat von speziellen Grassamen-Mischungen ist vorgesehen. Doch bis der einstige Naturwald wie Phönix aus der Asche steigen kann, wird es trotz des ausgeklügelten Konzepts Jahrzehnte dauern. Januskovecz lässt sich beim Wiederaufbau aber nicht beirren: „Wenn wir jetzt diese behutsamen Maßnahmen ergreifen, besteht die berechtigte Hoffnung, dass das Paradies wieder ergrünen wird.“

Über 100 Hektar Wald in Flammen
Rückblick auf dramatische Tage: Am 25. Oktober war einer der größten Waldbrände Österreichs am Mittagstein gegenüber der Rax-Seilbahn ausgebrochen. Begünstigt durch Trockenheit und stürmischen Wind breitete sich das Feuer rasant aus und hatte bald über 100 Hektar Wald in seiner Gewalt.

Dank des unermüdlichen Einsatzes der Forstarbeiter der Stadt Wien, der Löschmannschaften aus ganz Österreich und der Hilfe aus unseren Nachbarländern war es möglich, das Inferno nach 13 Tagen unter Kontrolle zu bringen. Gemeinsam mit den Löschflugzeugen aus Italien waren insgesamt 16 Fluggeräte im Einsatz. Sie warfen mehrere Millionen Liter Wasser über dem schwer zugänglichen Gebiet ab.

Diverse Einsatzkräfte zogen an einem Strang
„Es war eine außergewöhnliche Zusammenarbeit. Denn unsere Mitarbeiter wurden auch von Bergrettung, Bundesheersoldaten, Tausenden freiwilligen Feuerwehrleuten sowie der Polizei unterstützt. Gemeinsam haben sie es geschafft, dieses katastrophale Ereignis bestmöglich zu bekämpfen“, erinnert sich Czernohorszky.

Jetzt stehen die Zeichen auf Hoffnung, wie der Forstdirektor der Bundeshauptstadt betont: „Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen gehen wir davon aus, dass einige Baumarten, besonders aber die dickborkigen Schwarzkiefer, zu einem hohen Anteil trotz Beschädigung durch den Brand überleben werden. Als sogenannte Rohbodenkeimer werden sie sich mit speziellen Sträuchern auch gut natürlich verjüngen können. Unsere Forstarbeiter sind dabei, die betroffene Stelle möglichst schnell wieder zu stabilisieren und den Bestand gemeinsam mit der aufkommenden Naturverjüngung bestmöglich aufzuforsten!“

Bis in die Abenddämmerung waren die Waldretter an diesem Tag unermüdlich an den Hängen unterwegs, um Hunderte Setzlinge in der Erde zu verwurzeln. Eine Sisyphusarbeit, die noch eine kleine Ewigkeit andauern wird.

Christoph Budin
Christoph Budin
Mark Perry
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