29.11.2021 16:52 |

Mining in Kasachstan

Stromausfälle durch den Bitcoin: Neues AKW geplant

2021 war für Bitcoin-Miner ein Jahr des Umbruchs: Der einstige Hotspot Nordchina hat die stromhungrigen Bitcoin-Rechenzentren verbannt, Mining und Handel mit Kryptowährungen sind in China seit einigen Monaten illegal. Die Bitcoin-Industrie ist in andere Länder abgewandert, wo ihr Stromhunger nun allerdings auch zum Problem wird. In Kasachstan etwa kommt es durch die Bitcoin-Hardware zu Stromausfällen, denen der Präsident mit einem neuen Kernkraftwerk Herr werden will.

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China hatte im Sommer damit begonnen, gegen Bitcoin-Mining vorzugehen: Rechenzentren wurde der Strom abgedreht, mittlerweile sind Krypto-Handel und Mining illegal. Die Mining-Rechenzentren übersiedelten in andere Länder, besonders Kasachstan lockte mit billigen Strompreisen von drei Cent pro Kilowattstunde viele Miner an. Der zentralasiatische Staat zeichnet heute für 18 Prozent der globalen Bitcoin-Hashrate verantwortlich, womit sich der kasachische Anteil 2021 vervierfacht hat, rechnet „Nikkei Asia“ vor.

Neues AKW soll Strommangel beenden
Mittlerweile bringt der Krypto-Boom das kasachische Stromnetz aber ans Limit. Der Wintereinbruch wurde von Stromausfällen begleitet, laut der lokalen Energiebehörde stieg der Stromverbrauch 2021 um rund acht Prozent oder 1000 bis 1200 Megawatt. Das entspricht der Stromproduktion eines Kernkraftwerks - und ein solches soll nach dem Willen des Präsidenten die Stromknappheit auch beenden. Bis dahin will man sich mit den Bitcoin-Minen arrangieren und auf eine freiwillige Drosselung setzen.

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Mit Blick auf die Zukunft werden wir eine unpopuläre Entscheidung für den Bau eines AKW treffen müssen.

Präsident Kassym-Schomart Tokajew

Verbote sind nicht im Gespräch: Kasachstan rechnet mit jährlichen Steuereinnahmen von 300 Millionen US-Dollar durch den Mining-Boom. Präsident Kassym-Schomart Tokajew sagte in der Millionenstadt Almaty bei einem Treffen mit Vertretern der Finanzbranche: „Mit Blick auf die Zukunft werden wir eine unpopuläre Entscheidung für den Bau eines AKW treffen müssen.“ Den nuklearen Brennstoff braucht Kasachstan nicht zu importieren: Das Land war 2020 einer der weltgrößten Uran-Exporteure.

Erinnerungen an sowjetische Atomtests
Der Bau eines Kernkraftwerks dürfte auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung stoßen. Kasachstan war zur Zeit der Sowjetunion Schauplatz von über 100 oberirdischen Kernwaffentests, geschätzte 1,5 Millionen Kasachen waren radioaktivem Fallout ausgesetzt. Entsprechend schlecht ist der Ruf von Nukleartechnologie: Das einzige Kernkraftwerk des Landes wurde 1999 stillgelegt, die nun angestoßene Debatte über einen Neubau sorgt für Kritik am Präsidenten. Doch Toqajew hält den Widerstand für unbegründet, sprach sich schon früher für eine Renaissance der Kernkraft aus. Er attestierte Atomkraftgegnern „unangemessene Phobien“.

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