17.11.2021 09:24 |

Impfung und Disziplin

Diese Länder meistern Corona aktuell besser

Während in Österreich die Zahl der Corona-Neuinfektionen steil in die Höhe schießt und ein Lockdown für alle wie ein ausgefressener Babyelefant im Raum steht, meistern einige Länder derzeit die Pandemie deutlich besser. In Schweden fiel die vierte Welle bei Weitem nicht so dramatisch aus wie die beiden davor. Portugal und Spanien verzeichnen zwar seit wenigen Wochen wieder einen Anstieg an neuen Fällen, allerdings noch nicht auf einem alarmierenden Niveau. In Israel ist die Anzahl an Infizierten sogar rückläufig. Die hohen Impfquoten spielen dabei eine große Rolle - allerdings gibt es wohl auch noch zahlreiche weitere Gründe.

Die niedrigste Inzidenz in Europa weist Schweden auf. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch bei knapp 60 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner. Das Erstaunliche: Ende September wurden fast alle Corona-Maßnahmen in Schweden aufgehoben. Die Empfehlung für Handhygiene und genügend Abstand bleibt aufrecht. Die Lockerungen wurden mit der hohen Impfquote begründet - und diese zeigt sich bislang effektiv im Kampf gegen die Pandemie. Mehr als 80 Prozent der Schweden über 16 Jahren sind vollständig geimpft. Betrachtet man die gesamte Bevölkerung, sind immerhin noch fast 70 Prozent vollimmunisiert. Auch bei den Booster-Stichen ist man im Norden gut dabei: Jeder Dritte über 80 Jahren hat sich bereits ein drittes Mal stechen lassen.

Virologe: „Nicht so viel hin und her mit Lockdowns“
Die hohe Impfbereitschaft ist vermutlich nur ein Faktor für die niedrigen Corona-Zahlen. Die Schweden gelten als äußerst diszipliniert, was die Maßnahmen gegen den Erreger betrifft. Viele halten sich auch nach den Lockerungen noch an die Regeln, erklärte Schwedens Chefepidemiologe Anders Tegnell dem „Deutschlandfunk“. „Außerdem ging es in Schweden nicht so viel hin und her mit Lockdowns und Öffnungen“, so der Experte. Das Ende der Restriktionen sei für die Menschen deshalb keine dramatische Veränderung gewesen. „Wenn man aber eine Gesellschaft aus dem Lockdown heraus plötzlich öffnet, sieht man natürlich einen größeren Unterschied bei den Infektionszahlen“, spekuliert Tegnell.

Spanien und Portugal sind Europas Impf-Musterschüler
Auch auf der Iberischen Halbinsel ist das Vertrauen der Menschen in die Impfung groß und die Impfbereitschaft hoch. Im Europavergleich nehmen Spanien und Portugal Spitzenwerte ein und das wirkt sich auf die Zahl der Neuinfektionen positiv aus. Die Sieben-Tage-Inzidenzen liegen aktuell bei knapp über 150 in Portugal und knapp unter 90 in Spanien. Dabei galt Spanien im Sommer als einer der Corona-Hotspots schlechthin. Nun ist man stolz auf eine hohe Impfquote: 80 Prozent der Bevölkerung gilt als vollimmunisiert. Nur vom Nachbarn wird es übertroffen: 88 Prozent der Portugiesen haben sich vollständig impfen lassen.

Spanien setzt weiterhin auf Corona-Maßnahmen
In Spanien sind nach dem Ende eines sehr harten Lockdowns noch viele Maßnahmen aufrecht. Vielerorts gelten noch Abstands- und Maskenregeln. Es drohen hohe Bußgelder bei Verstößen. Viele Menschen verhalten sich aber auch ohne Zwang vorsichtig: Auf den Straßen sieht man noch zahlreiche Menschen, die freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz im Freien tragen.

Experte: Booster hat „Israel gerettet“
Dass Israel trotz früh gestarteter Impfkampagne die vierte Welle dramatisch getroffen hat, hat weit über die Grenzen hinaus für Aufsehen und Verunsicherung gesorgt. Mittlerweile ist mit einer Inzidenz von knapp unter 50 die Lage wieder unter Kontrolle. Die Neuinfektionen sind sogar rückläufig. Im September musste man noch mehr als 11.000 Neuinfektionen pro Tag verzeichnen, aktuell hat sich diese Zahl wieder auf rund 150 eingependelt. Im Kampf gegen die ansteckendere Delta-Variante forciert man Auffrischungsimpfungen: Wer sich nach sechs Monaten nicht den dritten Stich holt, darf die meisten Innenräume nicht mehr betreten. Vier Millionen der 9,2 Millionen Israelis haben sich bereits „boostern“ lassen. „Es steht außer Frage, dass die dritte Dosis, der Booster, Israel gerettet hat“, erklärte Epidemiologe Gabriel Barbash der „Deutschen Welle“.

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