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Reicht Drittel-Lockdown? | Ein Fiasko

Reicht Drittel-Lockdown? Ein Lockdown für ein Drittel der Österreicher? Ja, danach schaut es aus, der Verordnungsentwurf, über den heute noch auf höchster politischer Ebene diskutiert wird, liegt seit gestern Nachmittag vor. Er beschert dem ungeimpften Drittel der Bevölkerung einen Lockdown, so wie wir ihn kennen, während die geimpften zwei Drittel weiter nicht nur im Lebensmittelgeschäft, sondern in allen Läden einkaufen dürfen. Weihnachtsgeschenke zum Beispiel. Aber wird dieser Drittel-Lockdown auch reichen, um die explodierenden Zahlen bei Neuinfektionen und Toten bremsen zu können? Denn gestern sorgten 13.152 neu Infizierte für einen neuen Tages-Rekord, gleichzeitig wurden 48 Tote vermeldet - was, es klingt fast zynisch, für ein (kleines) Minus bei den Belegszahlen in den Intensivstationen sorgte. Während sich etwa der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer im „Krone“-Interview mit Conny Bischofberger einigermaßen hoffnungsvoll zeigt, dass die Maßnahmen greifen, bleiben die Experten höchst skeptisch. Und was meint Ex-Gesundheitsminister Rudolf Anschober? Er plädiert in seiner „Krone“-Sonntagskolumne zumindest in Oberösterreich und Salzburg für einen „kurzen, konsequenten Lockdown für alle“. Er erinnert an Ostern und schreibt: „Damals ist es uns gemeinsam gelungen, das Schlimmste in den Spitälern der Ostregion zu verhindern. Wir können das wieder erreichen! Dafür ist es spät, aber nicht zu spät. Denn der Nächste, der ein Bett in einer Intensivstation braucht, kann jeder von uns sein.“ Und das wünscht sich doch keiner!  

Ein Fiasko. Nein, das wünscht sich keiner - noch weniger, wenn man gehört hat, was gestern Karin Engl, Pflegeleiterin in einer Corona-Station am Linzer Kepler-Klinikum, im Ö1-Interview erzählte. „Wir weinen oft aus Verzweiflung“, berichtete sie über ihr Pflegeteam. Man habe nicht gelernt, „einen Leichensack zuzuzippen, von den Füßen bis oben hinauf, womöglich mehrmals am Tag“. Engl sprach auch von der Traurigkeit, der Erschöpfung, vom Alleingelassensein des Spitalspersonals, alleingelassen vom System und von der Bevölkerung. Ja, wie konnte es soweit kommen, dass wieder so viele Menschen in den Intensivstationen und viele von diesen dann am Friedhof landen? Weil Teile des (politischen) Systems und Teile der Bevölkerung versagt haben. Weil, wie Top-Infektiologe Thalhammer im Professoren-Zwiegespräch mit Peter Filzmaier heute in der „Krone“ sagt, die Politiker „zu spät handeln - und dann groß schauen“. „Schludrige Politiker und die Impfverweigerer treiben die Infektions- und Todeszahlen nach oben“, heißt es auch im aktuellen deutschen „Spiegel“. Das ist nicht nur 1:1, sondern leider, wenn man die Zahlen vergleicht, mindestens 2:1 auf Österreich umzulegen. Kein Cόrdoba, nein, ein Fiasko! 

Einen schönen Sonntag!

Klaus Herrmann
Klaus Herrmann

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Freitag, 03. Dezember 2021
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