Ungarn als Einfallstor

Flüchtlingsaufgriffe: Karte zeigt Hotspots in Wien

129 illegal nach Österreich gereiste Migranten wurden alleine in einem Monat in Wien aufgegriffen. Mit teils bizarren Szenen: Jüngst schlug der Freund eines Geschleppten Alarm.

Die Beamten staunten nicht schlecht, als am Wochenende ein Mann (31) die Polizeiinspektion am Julius-Tandler-Platz betrat und aufgeregt berichtete, dass sein Freund (30) soeben nach Wien geschleppt werde. Über WhatsApp übermittelte der 30-Jährige seinen aktuellen Standort. Der Flüchtling war verzweifelt, er hatte kein Geld mehr für die Weiterfahrt.

In der Folge klickten gleich für sechs Menschenschmuggler aus Syrien, Rumänien und Deutschland in Penzing die Handschellen. Sie waren mit einem schwarzen BMW und einem grauen Peugeot unterwegs. Daraufhin stellten vier Flüchtlinge, darunter eine Frau, einen Asylantrag.

Seit Wochen immer wieder größere Aufgriffe
Allein in Wien wurden in einem knappen Monat 129 Migranten aufgegriffen, die hilflos umherirrten. So strandeten am 28. September 49 und am 4. Oktober 23 Asylsuchende in Favoriten. Für Aufsehen sorgten die beiden Aufgriffe auf der Wagramer Straße am 12. Oktober. Bei der anschließenden Jagd nach einem Schlepper war ein Läufer beteiligt. Am 22. Oktober wurden in Liesing 15 Flüchtlinge aufgegriffen.

Ungarn bleibt für die Menschenhändler das Einfallstor nach Österreich. „An den besonders stark frequentierten Grenzübergängen, wo viele Lkw und Kastenwagen unterwegs sind, hoffen die Schlepper, nicht aufzufallen, wenn sie in Österreich einreisen“, weiß Gerald Tatzgern, Schlepperjäger im Bundeskriminalamt.

4000 Euro für Ticket von Thessaloniki nach Wien
In Serbien laufen alle Fäden zusammen. Zwischen 400 und 1500 Euro kostet von dort die Weiterfahrt Richtung Wien. Kamen früher die Migrantenströme über die nordgriechische Hafenstadt Thessaloniki nach Nordmakedonien, weichen die Kriminellen immer häufiger auf Albanien aus. Das Ticket von Thessaloniki nach Österreich kann bis zu 4000 Euro kosten.

Hauptziel der großteils männlichen Migranten ist Deutschland, aber auch Holland und Schweden sind beliebt. Französisch sprechende Nationalitäten zieht es freilich nach Frankreich. Es wird viel kontrolliert und entdeckt entlang der Routen, doch es kann nicht jedes Fahrzeug unter die Lupe genommen werden. Sogar Tunnel wurden entdeckt.

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Viele Migranten werden in Wien in Bunkerwohnungen untergebracht und warten auf den Weitertransport. Hauptziel ist immer noch Deutschland.

Gerald Tatzgern

30.000 Migranten reisten heuer bereits ein
Heuer sind bereits 30.000 Migranten nach Österreich eingereist. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2014 waren es knapp 34.000.

Martina Münzer-Greier
Martina Münzer-Greier
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Mittwoch, 01. Dezember 2021
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