Abschied von Windtner

„Bei der WM bin ich als Fan des Teams dabei!“

Für Leo Windtner ist das heutige Länderspiel in Dänemark (20.45 Uhr/HIER live im sportkrone.at-Ticker) sein 125. und zugleich letztes als ÖFB-Präsident. Die „Krone“ sprach mit ihm in Kopenhagen über Höhepunkte, Fehler, Projekte und seine Zukunft. Er meint: „Als Fan des Teams wird man mich natürlich weiter sehen, auch 2022 bei der WM in Katar. Denn ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir das schaffen!“

„Krone“: Wie viel Wehmut ist heute bei Ihrem 125. und letztem Länderspiel als ÖFB-Präsident dabei?
Leo Windtner: Wir bewegen uns auf der Top-Ebene des Profifußballs, da ist Sentimentalität nicht angebracht. Natürlich verspürt man eine gewisse Träne im Knopfloch und eine persönliche Wehmut, wenn man so lange mit sehr viel Herzblut dabei ist. Aber damit habe ich das Team nicht belastet.

Was war der emotionale Höhepunkt in Ihrer Ära?
Die Qualifikation für die EURO 2016 mit diesem sensationellen historischen 4:1 in Schweden, Und unvergesslich ist auch das Sommermärchen der Frauen bei der EURO 2017.

Und was war Ihr größter Fehler, Ihre größte Enttäuschung?
Im Nachhinein ist das immer schwierig, da ich keine Schuldzuweisungen machen will. Aber vielleicht hätte man im Vorfeld der EURO 2016 eingreifen müssen, weil sich abgezeichnet hatte, dass man nur auf das Prinzip Hoffnung gesetzt hat, nur darauf, dass man so wie in der Quali den Reset-Knopf drückt und alles läuft wieder. Das ist nicht geschehen.

Wie hätten Sie da als Präsident eingreifen können?
Das geht nur in Zusammenspiel mit Teamchef und den Top-Verantwortlichen. 2016 war das schwierig, Marcel Koller stand ja vor der EURO vor der Heiligsprechung, man hat zu wenig darauf Bedacht genommen, dass Freiräume für ein Teamcamp ungemein wichtig sind. Das haben wir aber fünf Jahre später geändert.

Wie?
Ich habe im März 2021 nach dem 0:4 gegen Dänemark gesagt, dass wir so nicht in die EURO gehen können, denn dann würden wir den Fehler von 2016 wiederholen. Da wurden viele Gespräche geführt, das Ergebnis war eine sehr gute EURO.

Wie war der Kontakt zur Politik, wie groß der Einfluss?
Der ist beim ÖFB in keiner Weise feststellbar. Wir standen und stehen da über den Dingen, wohlwissend, dass wir die Politik brauchen. Das sehen wir beim Projekt Seestadt Aspern, wo wir mit Wiens Stadtrat Peter Hacker in einem exzellenten Dialog stehen, ebenso mit Sportminister Werner Kogler und den ranghohen Beamten, die auch wesentliche Ansprechpartner sind.

Wie steht es aktuell um dieses Projekt?
Das ÖFB-Kompetenzzentrum ist in den Planungen schon auf dem Tisch, wir haben ein Kleinstadion, eine Fußballhalle, zwei Naturrasenplätze, einen Kunstrasenplatz, ein Headquarter für 120 bis 150 Leute. Die Kosten liegen bei rund 56 Millionen Euro, Bund, Stadt und ÖFB teilen sich diese zu je einem Drittel, jetzt brauchen wir noch den Beschluss des ÖFB-Präsidiums.

Was aber noch immer fehlt, ist ein neues Stadion.
Es gibt in Europa fast kein Land mehr, das mit seinem Nationalteam so auf ein Nomadendasein angewiesen ist wie wir. Priorität hat jetzt allerdings Aspern, danach wird man dann das Projekt Nationalstadion konkret angehen müssen.

Wo?
Der Standort im Wiener Prater ist der beste. Von der Infrastruktur her, von der Geschichte her, das hat legendären Charakter.

Ab Sonntag sind Sie „Funktionärs-Pensionist“. Bleibt es dabei, oder wird man Leo Windtner wieder im Fußball aktiv sehen?
Sicher nicht, das einzige Amt, das ich behalte, ist jenes als Obmann der St. Florianer Sängerknaben. Als Fan des Teams wird man mich natürlich weiter sehen, auch 2022 bei der WM in Katar. Denn ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir das schaffen!

Peter Klöbl
Peter Klöbl
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