12.10.2021 12:00 |

Stunden vorm PC

So stressig ist die digitale Welt für unsere Augen

Das Homeoffice hat wesentlich zur rasanten Verbreitung von Augenleiden beigetragen. Acht Stunden Bildschirmzeit sind keine Seltenheit mehr. Aber wie mit der Belastung umgehen? Christian Isser, Tirols Innungsmeister der Augenoptiker, klärt zum Welttag des Sehens am 14. Oktober auf.

Wenn es nach den Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht, wird im Jahr 2050 jeder zweite Erdenbewohner kurzsichtig sein. In den Industriestaaten wie Österreich ist dieser Wert heute schon erreicht. Ein wesentlicher Grund dafür: Wir glotzen jeden Tag zu lange in Bildschirme aller Art.

Isser: „Homeoffice hat Situation verschärft“
Beim Blick auf die Entwicklung schlagen Augenärzte und Optiker Alarm. Denn Computer, Handy und Co. bedeuten Dauerstress für unsere Augen. „Die Homeoffice-Zeit vor dem Laptop hat das Problem durch häufig zu kleine Bildschirme und schlecht ausgestattete Arbeitsplätze noch verstärkt“, nennt Christian Isser, Innungsmeister der Tiroler Augen und Kontaktlinsenoptiker, die Gründe für das Auftreten neuer Leiden wie dem „Office Eye Syndrom“ oder „Gamer Eye“ für jene, die es mit der Spielkonsole übertreiben.

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Die Homeoffice-Zeit vor dem Laptop hat das Problem durch häufig zu kleine Bildschirme und schlecht ausgestattete Arbeitsplätze noch verstärkt.

Christian Isser

In Betrieben müssen Bildschirmarbeitsplätze gesetzliche Vorgaben erfüllen. Es gibt sogar eine Verordnung, die Bildschirmpausen regelt. Im Homeoffice nehmen es die meisten mit den Schutzmaßnahmen nicht so genau.

Vom Computer zum Handy zum Fernseher
Laut einem aktuellen Bericht eines Online-Händlers für Kontaktlinsen verbringen berufstätige Österreicher jeden Tag im Schnitt bereits an die acht Stunden vor einem Bildschirm. Ob Computer, Handy oder Fernsehgerät – die Augen sind enorm gefordert. „Bereits etwa die Hälfte der erwachsenen Österreicher ist kurzsichtig. Bei Menschen mit Computerarbeitsplätzen liegt der Wert schon bei 72 Prozent“, kann der Optikermeister eine aussagekräftige Zahl nennen. Er verweist auf die Symptome, die überforderte Sehorgane zeigen: „Die Augen sind trocken und gerötet. Nach einer gewissen Zeit wird es immer schwerer, sich auf das zentrale Geschehen am Bildschirm zu fokussieren.“

Rechtzeitig zum Arzt und zum Optiker gehen
Innungsmeister Isser rät, gestressten Augen nicht nur durch Übungen Linderung zu verschaffen, sondern bei andauernden Problemen auch rechtzeitig einen Augenarzt und Optiker zu Rate zu ziehen. Die gute Nachricht des Fachmanns: „Viele der Probleme sind bereits durch eine richtig angepasste Bildschirmbrille lösbar.“

Richtiger Schutz für das Sehorgan
Wie kann man digitale Augenerschöpfung verhindern? Isser nennt drei wichtige Maßnahmen zum Schutz unseres Sehorgans. „Einerseits geht es um die aufrechte Körperhaltung und die richtige Positionierung zum Computer-Bildschirm. Dieser sollte circa 60 Zentimeter von den Augen entfernt stehen, der Blick geradeaus sollte den oberen Rand des Bildschirms treffen“, erläutert Innungsmeister Isser. Gegen die unerwünschte Wirkung des Blaulichts, das das Auge sehr ermüdet, helfen Computerbrillen mit Blaulichtfilter. Die Gläser blockieren nicht nur die energiereichen Wellenlängen, sondern können vom Augenoptiker auch optimal auf die individuelle Sehdistanz zum Computer eingestellt werden. Und zu guter Letzt: Einfach, aber effektiv. Bildschirmpausen einlegen. Zumindest zehn Minuten nach 50 Minuten am Computer besagt die österreichische Bildschirmarbeitsverordnung. 

Diese Übungen entspannen gestresste Augen: Gähnen erlaubt
Die gute Nachricht: Gegen gestresste Augen können kurze und unkomplizierte Übungen helfen.

  • Die 20-20-20 Regel besagt, dass man alle 20 Minuten 20 Sekunden lang 20 Meter in die Ferne blicken sollte (ein Blick aus dem Fenster tut es auch). Ist das nicht möglich: Augen zumindest stündlich eine neue Perspektive bieten.
  • 20 Sekunden lang abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge sowie mit beiden Augen blinzeln. Das regt den Tränenfluss an und verbessert die Tränenfilmquantität und -qualität deutlich.
  • Ganz einfach, aber ebenfalls effektiv: Auch Gähnen hilft beim Anregen des Tränenflusses.
  • Wichtiges Mittel gegen trockene Augen (vor allem in der kalten Jahreszeit): Ausreichend trinken und Luftfeuchtigkeit erhöhen.
  • Augenyoga: Linken und rechten Zeigefinger auf Gesichtshöhe halten. So, dass man links und rechts gerade noch wahrnehmen kann. Mehrmals vom linken zum rechten Zeigefinger und retour schauen, ohne den Kopf zu bewegen. Übung mit den Fingern oberhalb und unterhalb des Gesichts (senkrecht) wiederholen. Zum Abschluss der Übung Augen kreisen.
  • Palmieren: Dafür die Handinnenflächen aneinander reiben bis sie warm sind. Handinnenflächen in der Folge über die geschlossenen Augen halten und die entspannende Wärme auf die Augen wirken lassen.
Claudia Thurner
Claudia Thurner
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