Für mehr Tierwohl

„Wir brauchen ein Ende der Rabattschlachten!“

Politik, Handel und Bauern müssen einen gemeinsamen Zukunftsplan erarbeiten, sagt Bio-Bergbauer Hannes Royer von „Land schafft Leben“.

Das Thema Tierwohl ist in aller Munde. Viele Konsumenten wollen heute mehr denn je wissen, wie und wo das Tier gelebt hat, von dem das Fleischstück auf dem Teller liegt. Beim Lebensmitteleinkauf scheint diese Info aber noch nicht zur Gänze angekommen zu sein. Es werden zwar Tierwohl-Produkte angeboten, doch macht das Tierwohl-Segment nur einen kleinen Anteil des Sortiments aus.

Tierwohl-Produkte oft versteckt im Regal
Während Unmengen von Geldern in die Vermarktung von Billigfleisch fließen, sind Tierwohl-Produkte oft versteckt im untersten Regal der Filiale zu finden. Heimische Produkte mit hohen Tierwohlstandards müssen seitens der Supermärkte stärker beworben werden - anhand der Umgestaltung von Regalflächen und via Bewerbung in Flugblättern und Kampagnen.

Ende der Rabatte und faire Preise für Bauern
Klar muss uns aber auch sein, dass es qualitativ hochwertiges und heimisches Fleisch nicht zum kleinsten Preis gibt. Auch wenn wir ständig von Werbungen mit Rabatten und Aktionen berieselt werden, gilt es, den inneren Schweinehund zu überwinden und nicht immer zum Billigsten zu greifen. Billiges Fleisch ist meist auch billig produziert worden.

Die Rechnung geht nicht auf
Bei Tierwohl-Produkten werden die Tiere nicht immer biologisch, sondern oft konventionell unter verbesserten Bedingungen gehalten. Umfragen zufolge sind wir bereit, ungefähr 20 bis 22 Prozent mehr für solche Produkte zu bezahlen. Der Tierwohlaufschlag ist aber um 35 Prozent teurer! Diese Rechnung geht also nicht auf. Hochwertige Lebensmittel gibt es nicht zum billigsten Preis.

Täglich schließen neun Höfe für immer die Tür
Günstige Lebensmittel gehen auf Kosten derer, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen: die Bauern. Während verarbeitende Betriebe und Handel immer mehr an Lebensmitteln verdienen, sinkt der Gewinn der Landwirtschaft massiv und kontinuierlich. Da wundert es auch nicht, dass seit dem EU-Beitritt täglich neun Höfe ihre Stalltüren für immer schließen und sich einen anderen Brotjob suchen.

Ende der Rabattschlachten?
Wollen wir auch noch in 20 Jahren Milch und Fleisch aus Österreich genießen, muss sich also einiges ändern: Den Rabattschlachten gehört ein Ende gesetzt, und die Konsumentinnen und Konsumenten sollten bewusst nicht zu rabattierten Produkten greifen, sondern nachhaltig und ihren Werten entsprechend einkaufen.

Schicken Sie bitte Ihre Ideen zum Thema an zukunft@kronenzeitung.at!

Wie können wir Tierwohl zukünftig verbessern?

Maggie Entenfellner: Alle sprechen gerade von Tierwohl. Wo steht Österreich?
Hanns Royer: Die österreichische Landwirtschaft produziert weltweit unter einem der höchsten Tierwohlstandards. Trotzdem können auch wir uns immer verbessern.

Es gibt vier Hauptakteure entlang der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln: die Landwirtschaft, der Handel, Konsumenten und die Politik. Wer trägt welche Verantwortung?
Jeder trägt einen Teil der Verantwortung. Die Politik schafft die Rahmenbedingungen. Die Bäuerinnen und Bauern sollen dem Wunsch der Konsumenten nach mehr Tierwohl nachkommen. Der Handel muss vermehrt die Tierwohl-Produkte ins Sortiment aufnehmen. Und letztendlich zeigt der Konsument mit seinem Einkauf, ob ihm Tierwohl wichtig ist oder nicht.

Warum sehe ich im Supermarkt kaum Tierwohl-Produkte?
Das Tierwohl-Segment macht nach wie vor nur einen kleinen Anteil aus. Es braucht ein starkes Commitment vom Lebensmittelhandel in diese Richtung.

Sind die Konsumenten bereit, für Tierwohl-Produkte mehr zu bezahlen?
Es reicht nicht, nur über Tierwohl zu reden. Wir sollten entsprechend handeln und zu österreichischem Fleisch mit hohen Tierwohlstandards greifen. Qualitativ hochwertiges und heimisches Fleisch gibt es nicht zum kleinsten Preis.

Maggie Entenfellner
Maggie Entenfellner
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Montag, 18. Oktober 2021
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