19.09.2021 18:55 |

Ski Alpin

„Das eine Rennen hat brutal viel Energie gekostet“

Der Andelsbucher Technik-Spezialist Thomas Dorner spricht im großen „Krone Vorarlberg“-Interview über seine Vorfreude auf die neue Saison, Veränderungen nach dem durchwachsenen letzten Winter, weshalb der Weltcup-Auftakt in Sölden für ihn nicht vorrangig ist, das Format des Parallel-Riesenslaloms und viele mehr.

Krone: Thomas, wie groß ist bei Dir schon die Vorfreude auf die neue Saison?

Thomas Dorner: Riesengroß! Das habe ich bei den letzten Trainingskursen ganz deutlich gespürt. Da fühlt man sich wie eine Raubkatze, die nur darauf wartet, dass die Käfigtüre endlich aufgeht und man wieder raus darf.

Krone: Die vergangene Saison lief nicht wie erhofft. Was hast Du im Vergleich zum letzten Winter verändert?

Dorner: Natürlich habe ich mir im Frühjahr überlegt, was ich anders machen kann. Allerdings bin ich schnell zu dem Schluss gekommen, dass der Hund bei mir nicht im konditionellen Bereich begraben liegt. Ich hatte in den vergangenen drei Jahre nicht das Gefühl, konditionell zu schwach zu sein.

Krone: Das heißt, es gab keine Veränderungen?

Dorner: Nein, die gibt es durchaus. Mit Franz Höflehner habe ich einen neuen Servicemann, den ich mir mit Lukas Feurstein „teile“. Mein alter Servicemann hat sich bemüht, wir haben aber einfach nicht das gefunden, was mir weitergeholfen hätte. In der Analyse habe ich auch einige Punkte im Bereich der Trainingsplanung im Winter - speziell die kurzfristigen Trainings - gesehen, wo ich Umstellungen vornehmen werde.

Krone: Haben die Veränderungen auch Auswirkungen auf Deine Ziele? Und wie sieht es mit einem Antreten beim Weltcupauftakt in Sölden aus?

Dorner: Mein Hauptfokus für die neue Saison liegt ganz klar auf dem Europacup. Ich habe in der letzten Saison unendlich viel Energie dafür investiert, beim Weltcupauftakt in Sölden mit dabei zu sein, meine ganze Sommervorbereitung darauf ausgerichtet. Zwei, drei Tage vor dem Rennen habe ich dann allerdings gemerkt, wie ich schon aus allen Löchern pfeife. Dieses eine Rennen hat mich im letzten Jahr brutal viel Kraft gekostet.

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Zwei, drei Tage vor Sölden habe ich gemerkt, wie ich aus allen Löchern pfeife. Dieses eine Rennen hat brutal Kraft gekostet.

Thomas Dorner

Krone: Ein Mitgrund, weshalb die Resultate im weiteren Saisonverlauf nicht so waren, wie Du es Dir erhofft hattest?

Dorner: Das kann ein Mitgrund gewesen sein. Ich habe versucht zu analysieren: Was waren die Hauptgründe, was ist nebenbei noch mitgelaufen. Das Thema Sölden ist sicherlich lange präsent gewesen. Ich habe festgestellt, dass das heuer so nicht funktioniert. Vor allem sehe ich es auch nicht mehr so, dass meine Saison gelaufen ist, sollte ich in Sölden nicht dabei sein. Wenn ich es über den Europacup schaffen sollte, mir einen Fixplatz zu erfahren, habe ich für die Saison danach einfach ein ganzes Jahr lang eine Ruhe. Dann muss ich nicht - wenn es am Vortag noch eine Quali gibt - im Bett liegen, mir Videos anschauen und überlegen. Da kann ich mich ganz auf eine optimale Rennvorbereitung konzentrieren. Darum werde ich heuer zu einhundert Prozent auf den Europacup gehen. Sollte ich aber dennoch zu Weltcupeinsätzen kommen, werde ich diese „Doppelbelastung“ gerne annehmen.

Krone: Wo legst Du den Schwerpunkt? Im letzten Winter waren Deine Slalom-Resultate fast besser als jene im Riesentorlauf...

Dorner: Es ist interessant, dass ich mir - besonders in der Vorbereitung - immer wieder denke, dass ich im Slalom eigentlich die besseren Chancen hätte als im „Riesen“. Das Problem ist, dass mir im Laufe der Saison irgendwann die Slalom-Trainingstage auf schwierigem Untergrund fehlen. Sobald die Rennen dann bei solchen Bedingungen gefahren werden, fange ich an „zu schön“ skizufahren. Sollte ich das in den Griff bekommen, ist aber auch im Slalom viel für mich möglich.

Krone: Mit dem Parallel-Riesenslalom am Arlberg gibt es ein Heimweltcuprennen im November. Wie siehst Du diese - umstrittene - Disziplin?

Dorner: Mir persönlich taugt diese Disziplin extrem gut. Es ist eine Abwechslung und auch eine Gaudi. Ich bin auch nicht der Meinung anderer Athleten, die sagten, dass mit unseren aktuellen Riesentorlauf-Skiern keine 18-Meter-Schwünge möglich seien. Allerdings gibt es sicherlich einige Punkte, an denen man ansetzen kann. Egal ob das die Terminplanung ist, die Frage, ob die Rennen auch für den Gesamtweltcup zählen oder die Vermarktung. Wichtig wäre, dass sich jemand verstärkt dieses Themas annimmt und auch die Läufer miteinbezogen werden.

Peter Weihs
Peter Weihs
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