12.09.2021 15:10 |

Derzeit abgeschlagen

Hidalgo will erste Präsidentin Frankreichs werden

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat ihre Kandidatur für die französische Präsidentschaftswahl 2022 bekannt gegeben. Sie kandidiere, um „allen unseren Kindern eine Zukunft zu bieten“ und „ein gerechteres Frankreich aufzubauen“, sagte die 62-Jährige von der Sozialistischen Partei (PS) am Sonntag vor Anhängern im nordfranzösischen Rouen. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen gab indes den Vorsitz ihrer Partei Rassemblement National ab, um sich ganz dem Wahlkampf zu widmen.

„Wir müssen unser französisches Modell, das durch zahlreiche Krisen geschwächt wurde, neu erfinden“, sagte Hidalgo. Sie wolle „der Geringschätzung ein Ende setzen“ und wieder „Respekt“ im Land herstellen, sagte sie in Anspielung auf Präsident Emmanuel Macron, dem seine politischen Gegner regelmäßig Arroganz vorwerfen. In den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs werde sie den Umweltschutz stellen. „Wir müssen den ökologischen Wandel schaffen“, erklärte sie. Für den Fall ihres Wahlsiegs versprach sie unter anderem einen „Fünfjahresplan zur Abkehr von fossilen Brennstoffen in unserer Wirtschaft“ und Verhandlungen über höhere Löhne.

In Umfragen derzeit abgeschlagen
Aktuellen Umfragen zufolge käme Hidalgo im ersten Wahlgang lediglich auf sieben bis neun Prozent der Stimmen. Dies würde bei Weitem nicht ausreichen, um sich für den zweiten Wahlgang zu qualifizieren. Die 62-Jährige hat die Unterstützung von PS-Parteichef Olivier Faure, wird sich aber erst noch einer internen Vorwahl stellen. Als Pariser Bürgermeisterin hat Hidalgo Radwege massiv ausgebaut, Parkplätze zu Straßencafés umgewandelt und fast überall Tempo 30 eingeführt. Kritiker werfen ihr vor, dass sie keine Rücksicht auf die Bewohner der Pariser Vorstädte nehme und sich nicht hinreichend in der französischen Provinz auskenne.

Das Pariser Rathaus diente in der Vergangenheit bereits einem ihrer Vorgänger, dem Konservativen Jacques Chirac, als Sprungbrett in den Elysée-Palast. Bisher haben fast 30 Politiker und Politikerinnen erklärt, bei der Präsidentschaftswahl im April 2022 antreten zu wollen. Amtsinhaber Macron hat sich dazu noch nicht geäußert.

Le Pen gab Vorsitz bei Partei Rassemblement National vorläufig auf
Als dessen aussichtsreichste Herausforderin gilt derzeit Marine Le Pen, die sich rund sieben Monate vor der Wahl vorläufig von der Spitze ihrer rechtsnationalen Partei Rassemblement National (Nationale Versammlung) zurückzog, um sich auf den Wahlkampf zu konzentrieren. „Ich werde die Präsidentin der französischen Freiheiten sein, und glaubt mir: Das wird alles ändern“, so die 53-Jährige am Sonntag im südfranzösischen Fréjus vor Anhängern. Interims-Parteichef wird der 26-jährige EU-Abgeordnete Jordan Bardella.

Le Pen führt die Partei, die bis 2018 Front National hieß, seit 2011. Zuvor war ihr Vater Jean-Marie Le Pen jahrzehntelang deren prägende Figur. Als politische Ziele nannte sie am Sonntag, Frankreich einer „Diktatur der EU“ zu entziehen, die Sicherheit im Land zu erhöhen und kriminelle Ausländer abzuschieben. Mit ihr werde es eine Volksabstimmung zur Einwanderung geben. Die Corona-Regeln des Zentrumspolitikers Macron geißelte Le Pen als „unverhältnismäßige Attacke auf die Freiheit“.

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