Militär-Großaufgebot

Knapp 120 Tote: Gewalt in Südafrika eskaliert

Ausland
15.07.2021 19:01

2200 Festnahmen sowie 117 Todesopfer - das ist die fürchterliche Bilanz nach der verheerenden Gewalt in Südafrika der vergangenen Woche. Die Regierung hat nun weitere 25.000 Soldaten mobilisiert, um der Lage Herr zu werden - alle verfügbaren Reservisten erhielten einen entsprechenden Marschbefehl.

Präsident Cyril Ramaphosa hat die Mobilisierung von weiteren 25.000 Soldaten gebilligt - insgesamt seien am Donnerstag bereits 10.000 stationiert worden, erklärte die Ministerin im Präsidialamt. Nachdem am Vortag rund 100 Gewaltakte gezählt worden waren, waren es am Donnerstag nur noch weniger als drei Dutzend.

In KwaZulu-Natal kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem Militär. (Bild: AP/Themba Hadebe)
In KwaZulu-Natal kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem Militär.
(Bild: AP/Themba Hadebe)

Alle verfügbaren Reservisten erhielten einen Marschbefehl, hieß es in einer Erklärung der Armee vom späten Mittwochabend. Sie sollten sich am Donnerstag mit all ihrer Ausrüstung bei ihren Einheiten melden.

Gewaltiger Schaden entstanden
Obwohl es noch vereinzelte Hinweise auf Plünderungen gab, setzten am Donnerstag an vielen Orten die Aufräumarbeiten ein. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe und rund 20.000 vernichteten Jobs aus.

Die von Präsident Ramaphosa angekündigten Versorgungsengpässe machten sich in dem bei Johannesburg gelegenen Township Alexandra, aber auch der Hafenstadt Durban bemerkbar. Dort gab es kilometerlange Schlangen vor noch offenen Tankstellen. Nach Prügeleien um das knappe Benzin sicherten Soldaten den Ort. Auf Luftbildern waren zudem lange Warteschlangen von mehr als hundert Metern vor den noch offenen Lebensmittelgeschäften zu sehen.

„Einige Leute bereiten sich auf Krieg vor“
Polizeiminister Bheki Cele hatte am späten Mittwochabend in einem Vorort von Durban vor laufender Kamera den Fund Zehntausender Schuss scharfer Munition bekannt gegeben. Dem TV-Sender Newzroom Africa sagte er: „Einige Leute bereiten sich auf einen Krieg vor.“ Es sei falsch, dass Menschen nur aus Hunger plünderten - einige bewaffneten sich auch. In dem Vorort Phoenix wurden nach offiziellen Angaben 15 Menschen bei Spannungen mit der indischstämmigen Bevölkerung getötet - Cele sprach dort von „hässlichen Szenen“.

Polizei den Plünderern unterlegen
Die Provinz KwaZulu-Natal an der Ostküste sowie das Ballungsgebiet um die Großstädte Johannesburg und Pretoria (Gauteng-Provinz) sind besonders schwer von der Gewalt betroffen. Die Regierung mobilisierte das Militär, weil die Polizei den Plünderern zahlenmäßig unterlegen war. Mittlerweile formieren sich auch zivile Bürgerwehren und Nachbarschaftsgruppen. Auch die einflussreichen Taxi-Gesellschaften versuchen nun, Übergriffe auf wichtige Infrastruktur zu verhindern. Sie hatten sich auch gegen Kliniken, Drogerien und sogar Schulen gerichtet.

Begonnen hatten die Krawalle mit Protesten gegen die Inhaftierung des aus KwaZulu-Natal stammenden Ex-Präsidenten Jacob Zuma. Der musste vor einer Woche eine 15 Monate lange Haftstrafe wegen Missachtung der Justiz antreten. Die Proteste entwickelten sich in nur kurzer Zeit zu großflächigen Ausschreitungen.

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