11.07.2021 06:00 |

Vater verzweifelt

Kleiner Sohn verschollen: „Wo ist mein Seraphin?“

Seit Februar 2019 gelten eine Burgenländerin und ihr kleiner Sohn als verschwunden. Zurück blieb der verzweifelte Vater des Buben. Jetzt scheint es neue Hoffnung für ihn zu geben: Den Erkenntnissen der Kripo zufolge dürfte die Frau mit dem Kind in einer Kommune im Ausland untergetaucht sein.

Der Mann, der jetzt im Gastgarten eines Wiener Lokals sitzt und Soda-Zitron trinkt, wirkt angespannt. „Ja“, sagt Alexander Köberl, „ich spüre einfach immer Unruhe in mir.“ Seit Februar 2019. Als seine Ex-Frau Desiree den gemeinsamen Sohn Seraphin - er war damals acht - entführt hat. Nach einer Gerichtsverhandlung, bei welcher der Vater das alleinige Sorgerecht für den Kleinen zugesprochen bekommen hatte.

Bis heute konnten das Kind und seine Mutter - trotz intensiver polizeilicher Fahndungen im In- und Ausland - nicht gefunden werden: „Ständig quält mich der Gedanke, wie es meinem Buben wohl geht, ob er in halbwegs geordneten Verhältnissen lebt, ob er eine Schule besucht.“ Es ist dem 36-Jährigen anzumerken, dass er mehr über Hoffnungen denn über Annahmen spricht. „Weil ja Seraphins Situation auch vor seinem Verschwinden kompliziert war, seit Jahren schon.“

„Wir waren einmal eine glückliche Familie“
Und der Vater beginnt zu erzählen. Über seine gescheiterte Ehe; über seine frühere Partnerin, von der er einmal glaubte, sie sei seine große Liebe. Über eine Zeit, in der er mit ihr glücklich gewesen - und über einen Mikrokosmos des Wahnsinns, in den sie irgendwann, langsam und schleichend, geflüchtet ist; in eine fremde Welt, abseits der „Normalität“, in der nur noch ihre eigenen Gesetze zählten.

Herr Köberl, was war der Anfang des Dramas?
„Wie bereits erwähnt, es gab dafür lange keine Vorzeichen.“ Er und Desiree kannten einander von Jugend an, waren im selben Ort im Burgenland aufgewachsen: „Ich war 20, sie 18“ - als die beiden ein Paar wurden und nach Wien zogen. Die Frau studierte Soziologie, der Mann arbeitete - wie er das bis heute tut - im Gastronomiebetrieb seines Vaters.

Bald die Heirat. Am 12. März 2011 wurde Seraphin geboren: „Wir dachten, dass es für ihn besser wäre, in der Natur aufzuwachsen. Deshalb kauften wir in unserer alten Heimat ein kleines Haus, in einem abgelegenen Dorf. Und nach und nach begann sich Desiree dann zu verändern. Sie lehnte plötzlich den Kontakt zu anderen Menschen ab und verstieg sich zunehmend in esoterische Gedanken.“

Nach der Scheidung wurde es schlimmer
Laufend mehr begann es daher in der Beziehung zu kriseln. 2014 die Scheidung, Alexander und Desiree Köberl sollten sich in der Folge die Obsorge ihres Kindes teilen: „Aber gleich gab es damit Probleme. Meine Ex war oft wochenlang nicht erreichbar, nur selten durfte mein Bub bei mir sein.“

Schließlich erfuhr der Mann, dass der Kleine und seine Mutter in einem Wohnwagen hausten, dass sein Sohn kaum am Unterricht teilnahm, dass er - „das merkte ich bei den wenigen Treffen mit ihm“ - altes, schmutziges Gewand trug und mehr und mehr „die absurden Gedanken seiner Mama übernahm.“ Dass sein Sohn von der „Grauenhaftigkeit unserer Konsumgesellschaft sprach und davon, dass er in der Schule zu einem Rekruten des Staats ausgebildet würde.“

„Hunderte Male“, so der Vater, „versuchte ich meine Ex-Frau davon zu überzeugen, dass unser Kind ein strukturiertes Umfeld braucht.“ Vergeblich. „Deshalb wandte ich mich an die Behörden.“ Und ein Kampf um den Buben begann, „den ich letztlich gewann - und damit jedoch gleichzeitig Seraphin völlig verlor“.

Desiree Köberl dürfte mit ihm zunächst in der Schweiz untergetaucht sein. Mehrere Personen aus ihrem nahen Umfeld wurden mittlerweile wegen Fluchthilfe verurteilt, über den Aufenthaltsort der Frau und ihres Sohnes haben sie bei den Prozessen nichts verraten.

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Ich wünsche mir nichts mehr, als meinen geliebten Sohn endlich wieder in die Arme nehmen zu dürfen.

Alexander Köberl

Sind Mutter und Sohn nun in Spanien?
Vermutet wird nun, dass die beiden in einer Aussteigerkommune in Portugal oder Spanien untergekommen sind. Vor wenigen Wochen sollen sie allerdings im Burgenland gewesen sein - mehrere Zeugen wollen sie dort gesehen haben. Eine sofort eingeleitete Suchaktion verlief leider erfolglos. Aber der Vater gibt nicht auf: „Irgendwann muss es doch gelingen, Seraphin zu finden.“

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Die Polizei unternimmt tatsächlich sehr viel, um die Frau und den Buben aufzuspüren. Und ich gehe deshalb auch davon aus, dass die beiden bald gefunden werden können.

Anwalt Andreas Schweitzer vertritt Alexander Köberl

Und dann? „Wird er bei mir wohnen. Und ich werde alles in meiner Macht Stehende unternehmen, um ihm den Wiedereinstieg in ein geregeltes Dasein zu ermöglichen.“ Mit viel Zuwendung, mit der Hilfe von Psychologen.

Obwohl seiner Ex-Frau bis zu drei Jahre Haft drohen, „und das Jugendamt sicherlich dafür sorgen wird, dass sie unseren Buben nach ihrer Entlassung nur in geschütztem Rahmen sehen darf - wird in mir trotzdem immer die Angst sein, sie könnte Seraphin abermals entführen.“

Martina Prewein
Martina Prewein
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