18.06.2021 06:00 |

Echte Flug-Alternative

Der Nightjet erobert die Schienen Europas

Der Nightjet erobert die Schienen Europas. Das nächtliche Netz ist eine echte Alternative zum Klima-kritischen Flugverkehr! Jetzt rollen die Waggons sogar zum Badeurlaub nach Split.

„Europa rückt damit näher zusammen. Und das mit rot-weiß-roter Gastlichkeit“, frohlockte Umweltministerin Leonore Gewessler, als sie - wie berichtet - nach dem markanten Signal eines Schaffners nächtens nach Amsterdam losrollte. Diesem ersten Pfiff am Bahnsteig sind inzwischen Tausende gefolgt, auf der Schiene wird gerade ein rot-weiß-rotes Erfolgskapitel des Klimaschutzes geschrieben. „Denn mit dem Nightjet-Netz bieten wir eine echte Alternative zum Kurzstreckenflug innerhalb Europas. Und das in feinen Minisuiten“, so ÖBB-Chef Andreas Matthä.

Wien hat jetzt schon die meisten Nachtzugverbindungen Europas. Erklärtes Ziel der Öko-Ministerin und natürlich auch ihres ÖBB-Generals Matthä, dem Mastermind hinter dem Konzept: „Der öffentliche Verkehr muss die bequemste und einfachste Möglichkeit sein, mobil zu sein. Und zwar sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.“

Für den ÖBB-Chef war die Entscheidung, europaweit ins Nachtzuggeschäft einzusteigen, jedenfalls „goldrichtig“. Matthä: „Wir sind bereits heute der größte Anbieter in diesem Sektor in Europa. Unsere Mission war und ist klar: Wir bringen Europa den Nachtzug zurück!“ Schon heute bieten die ÖBB insgesamt 19 eigene Linien in Europa an, bis 2024 werden es Matthä zufolge 26 Linien sein.

Hier hakt der Cargo-Pionier Professor Fritz Macher kraft seiner Erfahrung als früherer ÖBB-Topmanager ein: „Wir müssen auch dringend Nebenlinien wie die touristisch attraktive Wachaubahn bis nach Oberösterreich revitalisieren. Leider wurden in den letzten Jahrzehnten Hunderte Kilometer Schienenstränge rausgerissen und 100 Jahre alte Traditionsbahnen zerstört.“ Seine Kritik: „Immer neue Schnellstraßen mit immer neuer Landschaftszerstörung müssen in Zeiten der Erderwärmung tabu sein.“

Ab Freitag erstmals freie Fahrt nach Split
Was die Emissionen betrifft: Auf der Strecke Wien - Amsterdam erspart jeder Zugreisende der Umwelt 300 Kilogramm CO2-Emissionen gegenüber dem Flug dorthin. Gesamtgarnitur-mäßig sind es 100.000 Kilo. Zumindest, aber nicht nur mit der Verbindung in die Hauptstadt der Niederlande, ist das Klimaziel näher gerückt. Denn wer abends in Wien oder Innsbruck mit Haltestelle in Linz einsteigt, wacht am Morgen um 9.58 Uhr in Amsterdam auf. Jetzt kann jeweils Dienstag und Freitag von Wien und Graz auch die kroatische Küste ohne lange Autofahrt erreicht werden. Am Freitag heißt es erstmals freie Fahrt in den Badeurlaub nach Split!

Weiterer Quantensprung in Sachen Öko-Reisen: In der Siemens-Werkstätte in Wien werden derzeit 13 neue Nightjets mit je sieben Waggons gefertigt. Sternen-Design, nachtblaue Lackierung und Arbeit für 1500 Menschen inklusive.

Das Interesse bestätigt den Erfolgskurs: Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden 50.000 Nightjet-Tickets gekauft. Ein besonderer Turbo war und ist dabei die Verbindung nach Amsterdam. Besonders beliebt sind auch die Destinationen nach Rom und Venedig. Wohl auch, weil Privatabteils für größtmögliche Privatsphäre sorgen.

Neue Strecken

  • Am Pfingstwochenende rollten die ersten Nightjets von Wien über Innsbruck und München in die niederländische Hauptstadt Amsterdam.
  • Ab heurigem Dezember wird auch ein neuer Nightjet von Wien über München und Straßburg bis nach Paris geführt.
  • Die Fahrgastzahl im Nightjet wird bis 2025 von 1,5 Millionen auf bis zu drei Millionen verdoppelt.
  • Tickets im Nightjet sind im Sitzwagen schon ab 29 Euro pro Person und Richtung erhältlich.
Mark Perry
Mark Perry
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