17.06.2021 15:47 |

Um den Bachmannpreis

45. TddL: Erster Tag, erste hitzige Debatten

„Schreiben ist das halbe Leben. Lesen ist das ganze Leben.“ Mit dieser Weisheit von Schriftstellerin Friedericke Mayröcker eröffnete ORF-Landesintendantin Karin Bernhard am Mittwoch die 45. Tage der deutschsprachigen Literatur und versprach: „In diesem Sinne wird in Klagenfurt das ganze Leben verhandelt.“

Beispielsweise das Leben von „Ruth“, die Julia Weber (CH) an der Haltestelle eine Frau ansprechen lässt. Ruth verführt sie. Die Juroren sahen darin eine „wunderbare, ästhetische“ Art, über Sex zu schreiben (Vea Kaiser) oder einen „verstaubten Text“, der bekannte Bilder bediene (Philipp Tingler).

Für eine hitzige Debatte sorgte „Die Woche“ von Heike Geißler (D): Für Mara Delius werde der Leser mit einer „Lastenfahrradladung von Befindlichkeiten der selbst ernannten proletarischen Prinzessin überschüttet“. Für Klaus Kastberger ist es ein Text, der mit häufigerem Lesen immer besser werde, aber zu wenig Antworten biete. Laut Insa Wilke könne die Autorin mit der Ablehnung des Textes zufrieden sein: „Der Text hat hervorgerufen, was er wollte. Nämlich nicht zu sagen, was man in der Literatur gewohnt ist und wie die Welt ist.“ Was wiederum nicht für alle Juroren als Beweis für das Funktionieren des Textes galt.

„Irrsinnig begeistert“ zeigte sich Vea Kaiser nach Necati Öziris (D) Lesung von „Morgen wache ich auf und dann beginnt das Leben“: Ein todkranker Sohn stellt sich seinen Vater vor. „Im letzten Absatz kommt der Erklärbär, das ist unnötig“, so Michael Wiederstein ebenfalls lobend.

Magda Woitzuck präsentierte „Die andere Frau“: Ein Text, der für die einen „überausbuchstabiert“ ist, für andere „gute Bilder“ bringt. „Muss man schreiben, bloß weil man die technischen Möglichkeiten dazu hat?“, fragte Tingler nach der Lesung der Salzburgerin Katharina J. Ferner von „1709,54 Kilometer“. Der Text versuche, gesellschaftliche Probleme in eine Traumsprache zu übersetzen, meinte Wilke.

Mehr Literatur gibt es heute ab 10 Uhr auf 3sat, um 12 Uhr liest die Kärntnerin Verena Gotthardt. 

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler
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