Corona-Folgen

Bei der Jobsuche lieber auf Nummer sicher gehen

Kurzarbeit und reduzierte Gehälter, mehr Arbeitslose: Corona sorgte für Turbulenzen am Arbeitsmarkt. Krisenfeste Arbeitgeber wurden attraktiver und profitieren beim Buhlen um neue Mitarbeiter

Praktikumsplätze fielen weg, Studentenjobs auch, dazu gab’s Kürzungen des Gehalts in der Kurzarbeit, andere verloren ihren Job - die Corona-Pandemie rüttelte den Arbeitsmarkt durch. Stabile Firmen werden zu Krisengewinnern und für Bewerber attraktiv, sind sich Experten sicher.

Abwanderungen aus der Gastro
Doch wie ist die Realität? Vor allem aus der Gastronomie und im Tourismus wanderten Beschäftigte in andere Bereiche ab. „Hier ist spürbar, dass Leute fehlen“, sagt Gerhard Straßer, Chef des Arbeitsmarktservice Oberösterreich. Um den Zustrom an Kurzarbeitsanträgen und Anfragen abzuwickeln, stockte auch das AMS in der Krise Personal auf. „Wir hatten bei der Mitarbeitersuche mehr Auswahl als bisher, es kamen vermehrt Anfragen aus dem Reisebüro- und Gastrobereich“, stellt Straßer fest.

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Momentan ist der Andrang auf Jobs bei uns groß. Wie sich die Pandemie auswirken wird, können wir noch nicht sagen.

Andreas Pilsl, Landespolizeidirektor in Oberösterreich

Zögern vor Neuem
Jobs als Musikschullehrer waren beim Land OÖ für frei schaffende Künstler hoch im Kurs, auch Juristen,die etwa zuvor in Rechtsanwaltskanzleien gearbeitet hatten, wurden vermehrt beim Land vorstellig. Auch bei der Post, bei der weder Kurzarbeit noch Staatshilfen Thema waren, stieg die Zahl der Bewerbungen seit Corona deutlich. Und bei der Polizei? Da blieb der Andrang auf Jobs unverändert hoch, verrät Landespolizeidirektor Andreas Pilsl. Ähnlich ist es auch bei den ÖBB (siehe Interview unten). Das höhere Sicherheitsbedürfnis wurde aber auch zum Hemmschuh - vor allem für Firmen. „Durch die Unsicherheit wagen viele keinen Jobwechsel, vor allem nicht in neue Bereiche“, so Anna Richter, Prokuristin von HAKA Küche in Traun.

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Größere Betriebe waren in den letzten Monaten deutlich defensiver. Das lag oft an den rigoroseren Regeln.

Fritz Dallamaßl, Bildungspolitik- Experte der WK OÖ

Trend zu Techno-Firmen
In puncto Lehrlingen fischten in den letzten Monaten vor allem Gewerbebetriebe erfolgreich nach Jugendlichen. Ein Grund waren hier auch oft rigorosere Corona-Regeln bei großen Unternehmen. „Technologieaffine und traditionelle Firmen haben an Stellenwert zugelegt“, so Fritz Dallmaßl, Bildungspolitik-Experte der Wirtschaftskammer Oberösterreich.

„In meinem Beruf brauche ich auchAbwechslung“
Barbora Ostrihonova aus Linz wechselte vom Lebensmittelhandel zu den ÖBB, wo sie nun seit April Ausbildung zur Zugbegleiterinmacht.

„Krone“: Frau Ostrihonova, Sie haben sich für eine Ausbildung zur Zugbegleiterin entschieden. Warum das?
Ostrihonova: Ich arbeitegerne mit Menschen, reise sehr gerne und will in meinem Berufsalltag auch Abwechslung.

„Krone“: Sie haben zuvor im Lebensmittelhandel gearbeitet. Warum sind Sie nun zu den ÖBB gewechselt?
Ostrihonova:
Nach meiner Matura im vergangenen Jahr war es wegen Corona sehr schwer, einen Job zu bekommen. Ich war dankbar, dass ich im Lebensmittelhandel eine Stelle gefunden habe. Die Arbeit hat mich aber nicht erfüllt, ich wollte einen abwechslungsreichen Job.

„Krone“: Welche Rolle spielt Arbeitsplatzsicherheit?
Ostrihonova:
Angesichts der momentanen Situation ist das auch ein wichtiger Aspekt. Einen sicheren Arbeitgeber zu haben stand aber für mich schon immer an erster Stelle. Das hat sich durch Corona schon noch verstärkt.

„Krone“: Worauf achten Sie bei der Wahl Ihres Arbeitgebers?
Ostrihonova:
Da zählen für mich vor allem Weiterbildungsmöglichkeiten und ein guter Zusammenhalt im Team.

Barbara Kneidinger
Barbara Kneidinger
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Donnerstag, 05. August 2021
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