09.06.2021 12:22 |

81 Festnahmen

„Durchschlagender Erfolg“ für Anti-Mafia-Operation

Eine weltweit konzertierte Polizei-Großoperation unter dem Namen „Trojan Shield“ (Trojanerschild) hat zur Ergreifung von nicht weniger als 800 Verdächtigen aus dem Mafia-Milieu geführt. Auch in Österreich kam es zu insgesamt 81 Festnahmen - auch dem wegen dreier Mordanschläge gesuchten Dario D. alias „Dexter“ wurden in Wien Handschellen angelegt. Für 13 Verdächtige wurde bereits U-Haft beantragt. Dank der hervorragenden Kooperation mit der US-Bundespolizeibehörde FBI und Europol sei auch Österreich ein „durchschlagender Erfolg“ gelungen, freute sich Innenminister Karl Nehammer (ÖVP).

Dem FBI war es zunächst gelungen, in die verschlüsselte Kommunikation der Mafia-Clans einzudringen. Dazu wurden sogenannte Kryptohandys, die in kriminellen Kreisen als ortungs- und abhörsicher gelten, eingeschleust und infiltriert. Mehr als 25 Millionen Telefongespräche und Textnachrichten wurden so entschlüsselt. Binnen 18 Monaten wurden dann im Zuge der grenzüberschreitenden Ermittlungen mehr als 800 Verdächtige in mehr als 100 Ländern gefasst, tonnenweise Suchtgift wurde aus dem Verkehr gezogen.

Das österreichische Bundeskriminalamt hatte seit 1. April dieses Jahres erfolgreich mit FBI, Europol und den Behörden in 15 weiteren Ländern zusammengearbeitet. Heimische Beamte wurden auch zu den Behörden in den USA sowie zu Europol entsandt. Über Monate hinweg wurde auch hierzulande intensiv ermittelt, wie in einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag bekannt gegeben wurde. Der Fokus lag dabei auf den Machenschaften der organisierten Westbalkan-Mafia, die im weltweiten Suchtgift- und Waffenhandel aktiv ist und für brutale Gewaltakte verantwortlich zeichnet.

Bandenmitglied in Wiener Keller mit Hammer gefoltert
Derartige Gewaltakte wurden auch in Wien verübt: Ein sogenannter Läufer, ein untergeordnetes Bandenmitglied, das bei der Organisation Schulden hatte, wurde etwa in einem Keller in Wien festgehalten. Dort wurde der Mann unter anderem mit einem Hammer malträtiert. Die Grausamkeiten seien zudem von den Peinigern mittels Video dokumentiert worden, berichtete Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Zwölf Haftbefehle seien noch nicht vollstreckt, weil sich die Verdächtigen im Ausland aufhalten. Ruf zeigte sich aber zuversichtlich, „diese sehr rasch vollziehen zu können“.

Gleichzeitige Zugriffe in mehreren Bundesländern
Am Montag stürmten rund 400 österreichische Polizisten um 6 Uhr früh Liegenschaften in mehreren Bundesländern. Alleine im Zuge dieser jüngsten Zugriffe, die hierzulande unter dem Decknamen „Operation Achilles“ durchgeführt wurden, kam es zu 30 Festnahmen. Zudem wurden
Waffen, 400 Kilogramm Suchtgift im Straßenverkaufswert von 4,6 Millionen Euro, mehr als 13.000 Cannabispflanzen und 200.000 Euro Bargeld beschlagnahmt.

Den Haupttätern wird laut Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, internationaler Drogenhandel vorgeworfen. „Es geht um Kokain, Heroin und Marihuana in sehr großen Mengen.“

67 Hausdurchsuchungen
Insgesamt wurden in Österreich im Zuge der Achilles-Ermittlungen bereits 81 Personen festgenommen. 67 Hausdurchsuchungen - hauptsächlich in Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg - wurden durchgeführt und mehr als 700 Kilogramm Suchtgift beschlagnahmt, nämlich exakt 30 Kilogramm Kokain, 26 Kilo Heroin, 60 Kilo Streckmittel, 261 Kilo Cannabisharz und 390 Kilo Marihuana. Zudem wurden 676.000 Euro Bargeld sichergestellt. Die Ermittler werden aber noch viele Monate damit beschäftigt sein, alle sichergestellten Daten aufzuarbeiten.

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Kriminelle Organisationen haben in Österreich keinen Platz.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP)

Nehammer: „Durchschlagender Erfolg“
Innenminister Nehammer lobte den Erfolg der Ermittler. Zudem sei die internationale Kooperation unserer Polizeibehörden „ein wesentlicher Schlüssel bei der erfolgreichen Bekämpfung der organisierten Kriminalität“. Dank der guten Kooperation mit dem FBI und Europol habe man zahlreiche Informationen über die kriminellen Organisationen gewonnen, „die in Österreich und im Umfeld unseres Landes operieren“. Damit könne man den Fahndungsdruck weiter verstärken. „Kriminelle Organisationen haben in Österreich keinen Platz.“

„Kein Land, keine Organisation kann mehr alleine vorgehen“, sagte auch Theodore Callimanis vom FBI. Der Schlüssel sei „Partnerschaft“.

Friedrich Schneeberger
Friedrich Schneeberger
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