Spitalsleiter in Haft

82 Tote bei Feuer auf Corona-Station in Bagdad

Ausland
25.04.2021 12:45

In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind bei einer Explosion und einem anschließenden Großbrand in der Corona-Station eines Krankenhauses in der Nacht auf Sonntag mindestens 82 Menschen ums Leben gekommen, wie das Innenministerium bekannt gab. Laut dem medizinischen Personal des Al-Khatib-Spitals und Sicherheitskräften wurden zudem 110 Menschen verletzt. Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi ließ den Direktor des Krankenhauses sowie Vertreter für dessen Sicherheit und Instandhaltung festnehmen.

Der Brand war demnach durch die Explosion falsch gelagerter Sauerstoffflaschen ausgelöst worden und hatte sich wegen des Fehlens einer Brandschutzanlage rasch ausgebreitet. Die Explosion wiederum könnte durch einen Kurzschluss ausgelöst worden sein. 

Dutzende Angehörige waren bei den Patienten
Das Feuer in der schweren Covid-19-Fällen vorbehaltenen Intensivstation brach mitten in der Nacht aus, wie vom Klinikpersonal zu hören war. An den Betten der rund 30 Patienten hielten demnach Dutzende Angehörige Wache. Die Flammen breiteten sich auf mehrere Stockwerke aus.

„Die Mehrheit der Opfer starb, weil sie bewegt und von den Beatmungsgeräten getrennt werden mussten“, teilte die Zivilschutzbehörde mit. Andere seien an Rauchvergiftungen gestorben. Viele Patienten auf der Station seien aber auch gerettet worden, sagte der Leiter der Zivilschutzbehörde am Vormittag.

In Online-Netzwerken veröffentlichte Videos zeigten, wie die Feuerwehr versuchte, die Flammen zu löschen. Patienten und Angehörige versuchten, sich aus dem Gebäude in Sicherheit zu bringen. Im Video einer Überwachungskamera ist auf einem Gang die Explosion zu sehen, bald darauf breitet sich dichter Rauch aus.

„Sie wurden verbrannt, statt sich zu erholen“
Zuvor hatte ein Mitglied der vom Parlament gewählten irakischen Menschenrechtskommission von 58 Toten gesprochen, Augenzeugen hatten kurz nach dem Unglück von etwa 20 Todesopfern gesprochen. Die Kommission bezeichnete den Vorfall in der Nacht auf Sonntag als „Verbrechen gegen Patienten“, die in dem Krankenhaus nach ihrer Corona-Infektion Schutz gesucht hätten: „Im Ergebnis wurden sie verbrannt, statt sich zu erholen.“

Dreitägige Staatstrauer ausgerufen
Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi ordnete eine rasche Untersuchung an und ließ den Direktor des Krankenhauses sowie Verantwortliche für dessen Sicherheit und Instandhaltung festnehmen. Die Todesopfer seien als „Märtyrer“ zu betrachten. Mit dieser Einstufung können die Angehörigen finanzielle Unterstützung der Regierung erhalten. Zudem rief die Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus.

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