"Krone"-Reportage

Unsere Bergbauern kämpfen mit viel Herz um ihre Höfe

Steiermark
09.01.2011 19:46
Der Schulweg ihrer Kinder ist beschwerlich, sie verdienen teils einen Schandlohn, arbeiten oft genug unter Lebensgefahr und können ihren Beruf nur ausüben, weil sie ihn als Berufung sehen. Ein Lokalaugenschein mit der Landwirtschaftskammer führte "Krone"-Redakteurin Christa Blümel hoch hinauf auf den Berg.

Sie heißen "Gusti", "Guggi", "Gundi" und "Anni" - und der Blick aus dem Schlafzimmer von Elisabeth Kogler und ihrem Lebensgefährten Herbert Lehofer fällt direkt hinein in den Stall der Kühe: "Damit wir auch nachts immer hören oder sehen, wenn irgendetwas nicht gut läuft."

Nicht nur, dass jeder Ausfall eines ihrer Tiere ein wirtschaftliches Drama für die "Oberen Schlagbauern" in St. Kathrein am Hauenstein wäre - sie hängen an ihrem Vieh. Mit dem Schlachter kommt Trauer ins Haus: "Wir haben die Tiere ewig, sie leisten uns beste Dienste und werden dann abgeholt. Da weinen unsere Kinder vom Balkon herunter."

16.000 Euro verdienen Bergbauern im Schnitt
Für sie, die drei Buben, wollen die Eltern die Wirtschaft unbedingt erhalten - auch wenn es oft schwer ist, "manchmal verzweifelt man sogar." Wenn sie nicht wissen, wie die Kinder von 1.080 Metern Seehöhe herunterkommen sollen ins Tal, weil kein Schulbus fährt, zum Beispiel. Auch das Einkommen ist ein Problem. 16.000 Euro, so die Landwirtschaftskammer, verdient ein Bergbauer jährlich im Schnitt. Da kommen noch die Versicherungen weg, nötige Anschaffungen, die hoch oben auf dem Berg noch teurer ausfallen, und vieles mehr. Da ist es eine Milchmädchenrechnung, was dann überbleibt. Einen Schandlohn würden das viele nennen - für so viel Arbeit. Das geht nur mit sehr viel Herz.

Töchter möchten anderen Weg einschlagen
Oder einem zweiten Einkommen, so wie bei der zweiten Familie unseres Lokalaugenscheins. Peter Kahr in Koglhof hat zu seinen Limousin-Rindern, die aufgrund ihrer Fleischqualität schon Preise eingefahren haben, noch den Job beim Maschinenring. Dann kann so ein Arbeitstag schon von 4.30 Uhr in der Früh bis 10.30 Uhr in der Nacht dauern. Und ständig steht er "mit einem Fuß im Grab"; der Laie kann sich nicht mal vorstellen, wie die Arbeit auf den Steilhängen vonstatten gehen sollte. Da steht das Haus. Und vorn und hinten geht's runter bzw. rauf. Und obwohl manchmal, so sagt Peter Kahr - übrigens einer der besten Sensenmäher des Landes - die Arbeit überbordet, so möchte er doch keine andere machen. "Dafür hängt mein Herz z'viel dran." Seine Töchter, die die Eltern schuften sehen, möchten einen anderen Weg einschlagen.

Angst vor 2014
Von der Kammer fühlen sich die beiden Bergbauern gut vertreten. Milchbauer Lehofer wünscht sich aber Hilfe im Kampf gegen die Horrorzukunftsvision: "2014 fällt die Milch-Kontingentierung und da ist vorprogrammiert, dass die Großen die Kleinen vernichten." Landwirtschaftskammerchef Gerhard Wlodkowski (Interview in der Infobox) versichert aber, dass man da gegenwirken würde. Und die Bauern erhoffen sich noch mehr Unterstützung von der Gesellschaft - für ihre Leistung, die hoch oben am Berg oft genug unbedankt bleibt.

von Christa Blümel, "Steirerkrone"

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