15.04.2021 14:02 |

30.000 Neuinfektionen

Experte warnt: Deutsche Spitäler vor Überlastung

In Deutschland wächst angesichts der Corona-Zahlen die Sorge vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, rief am Donnerstag zum Handeln auf. „Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich teilweise dramatisch zu.“ Auch Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn appelliert an die Länder, mit der Anwendung der Corona-Notbremse nicht mehr zu warten. Binnen 24 Stunden wurden am Donnerstag knapp 30.000 Neuinfektionen gemeldet - das ist der höchste Wert seit 8. Jänner.

„Das Virus lässt sich nicht wegtesten“, sagte der Präsident des RKI mit Blick auf die Debatte, Öffnungsschritte mit vermehrtem Testen abzusichern. „Jetzt erwarte ich, dass Entscheidungsträger uns allen helfen, die dritte Welle zu brechen.“

Britische Virusvariante für neun von zehn Infektionen verantwortlich
Die meisten Neuerkrankungen seien mittlerweile bei den 15- bis 49-Jährigen zu verzeichnen, betonte Wieler. Die besonders ansteckende Mutante B.1.1.7 habe einen Anteil von 90 Prozent erreicht. Es sei zwar positiv, dass mittlerweile 17 Prozent der Bundesbürger mindestens einmal geimpft seien, aber: „Der Großteil der Bevölkerung ist eben nicht geimpft.“ Und sehr viele Menschen müssten noch monatelang auf ihre Impfung warten. Es sei jetzt zwingend notwendig, die Kontakte weiter zu reduzieren, so Wieler.

Gesundheitsminister will Maßnahmen rasch umsetzen
Der Deutsche Bundestag soll am Freitag erstmals über die bundeseinheitlichen Notbremse-Regeln debattieren. Vorgesehen sind unter anderem die Schließung der meisten Geschäfte sowie nächtliche Ausgangsbeschränkungen, wenn in einer Region die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 liegt. Die Verabschiedung ist erst für kommende Woche geplant - so lange will Spahn aber nicht warten. „Die Zeit drängt und bereits jetzt haben alle auch schon die Möglichkeit zu handeln“, sagte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem RKI-Präsidenten in Berlin.

Er habe bereits vor einer Woche gesagt, dass es zusätzliche Maßnahmen brauche. Die Länder müssten dazu nicht auf das Bundesgesetz warten. Impfen und Testen alleine reichten nicht, um die dritte Corona-Welle zu brechen, betonte Spahn. Dafür brauche es entschiedenes Handeln und weitere Einschränkungen.

Lage in Spitälern spitzt sich dramatisch zu
Der Corona-Koordinator an der Berliner Charité, Steffen Weber-Carstens, warnte unterdessen vor einem zunehmenden Personalmangel auf deutschen Intensivstationen, die am Mittwoch bereits 4653 Corona-Intensivpatienten versorgt hätten. In vielen Teilen Deutschlands seien nur noch zehn Prozent der Intensivbetten verfügbar, Thüringen habe am Mittwoch bereits andere Bundesländer gebeten, Corona-Patienten zu übernehmen.

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