Wolfgang Hübel

Katastrophen waren sein „Spezialgebiet“

Steiermark
22.03.2021 07:50

Ob Fliegerbombe, Brandanschlag oder Giftgas - er war immer vor Ort: Wolfgang Hübel, der Sicherheitsmanager der Stadt Graz. Jetzt verabschiedet sich der Steirer in den (Un-)Ruhestand. Für die „Steirerkrone“ blickt er zurück.

„Ich wollte gehen, wenn die Leute noch überrascht fragen: Was, du gehst schon? Und nicht erst dann, wenn sich alle fragen, wann er endlich geht“, schmunzelt Wolfgang Hübel. Seit 2009 hat er die Sicherheits-Agenden der Stadt Graz über. Der Schutz der Bevölkerung war sein großes Anliegen. Davor war er Referent bei der Berufsfeuerwehr. Man kann also getrost sagen: Katastrophen waren sein Spezialgebiet.

Größte Evakuierung der Nachkriegszeit
Für unser Abschieds-Gespräch haben wir einen besonderen Ort gewählt. Nämlich jene Stelle am Grazer Hauptbahnhof, an der vor fast genau zehn Jahren eine scharfe Fliegerbombe mit Langzeitzünder gefunden wurde. Eine gefährliche Rarität, die gesprengt werden musste. Diese Sprengung versetzte Graz in einen Ausnahmezustand.

„40.000 Leute mussten evakuiert werden. Das war die größte Evakuierung der Nachkriegszeit“, erinnert sich der 64-Jährige. Teile der gesprengten Bombe flogen fast einen Kilometer weit. Viele Geschäfte und Wohnungen wurden beschädigt. Weil fast zeitgleich in der Innenstadt eine große Demo gegen eine Sozialreform stattfand, war es insgesamt ein sehr fordernder Tag für alle Einsatzkräfte.

Giftgasalarm im Polizeiwachzimmer
2006 galt es sogar einmal einen echten Kriminalfall zu lösen. Es begann damit, dass einige Exekutivbeamte in der Grazer Polizeidirektion am Paulustor über Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel klagten. Messungen ergaben eine erhöhte Chlor- und Phosgenkonzentration, Giftgas! „Doch woher kam es? Das war die zentrale Frage, die sich alle stellten.“ Hatte etwa Geheimdienst-Personal im Zweiten Weltkrieg etwas vergraben, das jetzt austrat?

„Das Bodenradar brachte keine Klarheit. Wochenlang suchten alle vergeblich.“ Doch dann, eines Tages, stand ein fast blinder Mann vor den Einsatzkräften. „Mit seiner Wünschelrute hat der Diplom-Ingenieur die Ursache gefunden.“ Auf halbem Weg zum Schloßberg lagerte unter dem Volkskundemuseum medizinischer Abfall, vermutlich von einem Bürgerspital aus dem Ersten Weltkrieg. „Besonders bei Regen spülte das Wasser aus dem unterirdischen Depot Giftstoffe ins Erdreich.“ So auch an die Mauern der Polizei. Die Ausdünstungen gelangten dann in das Innere. „Wenn mir das wer erzählt hätte, ich hätte nur gelacht.“

Auch die Flüchtlingskrise stellte den Sicherheitsmanager vor große Herausforderungen („Das war heftig!“), genauso wie Hochwasser, Stürme oder die Amokfahrt mit daraus resultierenden Terror-Schutzmaßnahmen. „Am Anfang war ich ja lange Einzelkämpfer.“

Nachfolger ein „guter Mann“
Dann bekam er ein kleines Team. Die Zusammenarbeit mit Stadtpolitik, Polizei und anderen Einsatzkräften hat sowieso immer gut funktioniert. Sehr stolz ist Wolfgang Hübel auf das Heimwegtelefon. „Da kann jeder anrufen, der sich auf dem Heimweg im Dunkeln unsicher fühlt“ - 0316/872-2277. Nach Linz, Wiener Neustadt und Amstetten wollen sich jetzt Villach und Leongang das preisgekrönte Projekt abschauen. Und im Unruhestand? Wie wird das? „Anders, aber bestimmt nicht fad“, lacht Hübel. Und sein Nachfolger Gilbert Sandner? „Sicher ein guter Mann. Und wenn er was braucht, stehe ich natürlich zur Verfügung."

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