22.02.2021 11:00 |

Gesteuertes Insulin

Diabetes Typ 1: Neue App gibt neue Hoffnung

Knapp 3000 Tirolerinnen und Tiroler leiden an Diabetes Typ 1. Das ist jene Form, bei der insulin-produzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse aus unbekanntem Grund zerstört wurden. Nun gibt es neue Hoffnung in Form einer App, die Messdaten auswertet und gleichzeitig die Insulinabgabe steuert.

Eltern von Typ-1 Diabetikerkindern und -jugendlichen können ein Lied davon singen, wie aufwendig die Behandlung dieser Autoimmunerkrankung ist. Sechs bis zehn Mal am Tag muss der Zuckergehalt im Blut bestimmt, vier bis sechs Mal täglich den Kindern Insulin gespritzt werden. Dazu kommt die ständige Sorge und Angst der Eltern vor Unterzucker, der zu Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen führen kann.

„Ungestörte Nachtruhe ist kaum möglich“, weiß auch Sabine Hofer, Leiterin der Diabetes-Ambulanz an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Pädiatrie 1, aus ihrer langjährigen Erfahrung. Zwar könne Diabetes Typ 1 mit Hilfe von Glukosesensoren und Insulinpumpen schon jetzt gut therapiert werden, dennoch greife die Erkrankung massiv in den Alltag der Betroffenen ein.

Erste Studienergebnisse sind beeindruckend
Nun gibt es Hoffnung auf weitere Verbesserungen. In sogenannten „Closed-Loop“-Systemen werden Glukosesensor und Insulinpumpe über einen Algorithmus zusammengeführt. Die Steuerung des Algorithmus und das Monitoring erfolgt über eine Smartphone-App. Eine bereits 2019 abgeschlossene Pilotstudie, an der 20 Kleinkinder teilgenommen haben, sowie die derzeit laufende Hauptstudie, würden tolle Ergebnisse zeigen.

Das System sei „sehr sicher anwendbar – sowohl nachts- als auch tagsüber“, heißt es. Hofer sagt, es sei „unglaublich beeindruckend, wie ruhig und stabil die nächtlichen Glukosespiegel verlaufen“ würden. „Nicht mehr der Arzt, sondern der Algorithmus bestimmt die Feindosierung der Insulinzufuhr“, erklärt die Diabetologin, betont aber, dass der Mensch immer noch Chef sei, man nicht die ganze Kontrolle abgebe.

Technik könne in diesem Fall aber beim Feintuning helfen, auch Korrekturmaßnahmen durch die Eltern würden „weitestgehend entfallen“. Die Eltern hätten nach der Pilotphase von enormen Erleichterungen berichtet. Die Schlafqualität habe sich enorm verbessert. „Eine Mutter hat uns erzählt, dass es plötzlich Momente gegeben hat, in denen sie vergessen durfte, dass ihr Kind Diabetes hat“, sagt Hofer und fügt hinzu, dass das ein „sehr bewegender Moment“ gewesen sei.

Umdenken von Kassen und Versicherungen
Das „Closed-Loop“-System ist kommerziell noch nicht erhältlich, aber bereits CE-zertifiziert. Hofer hofft, dass es innerhalb der nächsten ein bis drei Jahre den „Sprung in die Alltagsbehandlung“ findet. Wichtig sei, dass es hier „zu einem Umdenken bei den Krankenkassen und Versicherungen“ komme. „Diese Kosten müssen refundiert werden. Medizinische Apps werden künftig eine immer wichtigere Rolle spielen“, sagt Sabine Hofer abschließend.

Quelle: APA

Claus Meinert
Claus Meinert
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