Zu einem buchstäblich schweren Einsatz musste am Mittwoch die Feuerwehr in Thal bei Graz ausrücken: „Ferdinand“, ein 1000-Kilo-Ochse, war nach einem Fehltritt umgefallen und kam allein nicht mehr auf. Und das Tier ist nicht „irgendeines“, es und seine Artgenossen können Wetterkapriolen und sogar Erdbeben voraussagen und liefern der Wissenschaft damit wertvolle Erkenntnisse. Sein Besitzer, Katastrophenforscher Gerhard Grossmann, erklärt, wie.
Drei Ochsen und zwei Kühe hat Gerhard Grossmann kurz vor der Schlachtung oder aus schlechter Haltung gerettet, bietet ihnen ein artgerechtes Leben auf großzügigen Wiesen. Als „Dank“ dafür liefern „Ferdinand“ und seine Weidekollegen dem Wissenschaftler, der seit 35 Jahren an der Uni Graz an Katastrophensoziologie forscht, wertvolle Erkenntnisse. Denn sie erkennen im Vorfeld Wetterkapriolen und Umweltereignisse!
„Tiere zu beobachten und aus ihrem Verhalten zu lernen, ist nichts Neues“, sagt der Professor. „Früher hat man sich beim Hausbau an ihnen und ihren bevorzugten Aufenthaltsplätzen orientiert. Oder: Der erste Seewetterwarndienst in Griechenland basierte auf Schafen! Man hatte herausgefunden, dass sie sich vor Sturm oder Niederschlägen ins Tal begeben, um Schutz zu suchen, und hat mit dieser Information Läufer an die Küste geschickt und gewarnt.“
Selbst in der heutigen, technologisch hoch entwickelten Zeit würden etwa in Japan Kühe in die Erdbebenwarnung mit einbezogen. Und auch Grossmanns kleine Herde hatte die Erschütterungen jüngst in Kroatien gefühlt, noch bevor die Auswirkungen auch bei uns zu spüren waren!
„Wir konnten das im Nachhinein anhand der Kameraaufzeichnungen ganz genau beobachten. Zunächst haben sie viel gegessen und getrunken, das ist tierischer Instinkt: Sie wissen, es steht möglicherweise eine Flucht bevor, dafür müssen sie die Reserven aufstocken.“ Und 20 Minuten vor den Erdbeben sind sie, zu einer Zeit, wo sie sonst gern schlafend im Stall liegen, auf die Weide gegangen und haben sich dort zusammengestellt. „Sie wussten, unter freiem Himmel sind sie sicher.“
So war es auch, als auf Thal im Vorjahr viel mehr Starkregen mit Überschwemmungen niederging als vorhergesagt: „Die Kühe haben es vorab gespürt.“ Weltweit gibt es auch die Erkenntnis, dass Kühe etwa bei Hangrutschungen oder Murenabgängen kaum zu Schaden kommen, weil sie sichere Plätze aufsuchen.
Die Tiere sind uns anvertraut, sie würden so sehr unseren Schutz verdienen!
Prof. Gerhard Grossmann
Gerhard Grossmann hat größte Hochachtung vor den Fähigkeiten der Tiere, ihrer Sensibilität, ihrer Klugheit. Daher kommt ihm auch kein Bissen Fleisch über die Lippen: „Es sind unsere Mitgeschöpfe. Sie sind uns anvertraut, würden so sehr unseren Schutz verdienen! Und werden dennoch so oft schlecht behandelt. Das macht traurig und sagt leider viel über Menschen aus.“
„Ferdinand“ hat den Fehltritt, der zum Feuerwehreinsatz führte, übrigens ohne Blessuren überstanden.
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