04.02.2021 06:01 |

Kindergärten

„Wir hatten nie einen richtigen Lockdown“

Während Schulen politische Aufmerksamkeit erhalten, werden Kindergärten oft überhört. Dabei sind sie so gut wie voll ausgelastet, wie ein „Krone“-Rundruf zeigt. Und: Je kleiner die Kinder, desto größer die Herausforderung.

Ein Kindergarten, 115 Kinder - 102 davon in Betreuung und neun Corona-positive Pädagoginnen. Die Situation in einer Betreuungseinrichtung in Villach (Kärnten) zeigt gut, wie heikel die Lage ist. Weil der Kindergarten fast voll besetzt war, als sich bei den Angestellten ein Cluster bildete, mussten 102 Kinder in Quarantäne gehen.

Kindergärten sind Bundesländersache
Aber zum Anfang: Die Kindergärten liegen in der Bundesländerzuständigkeit - österreichweite Corona-Regeln gibt es daher nicht. Heißt, in der Steiermark müssen die Pädagoginnen Masken tragen, in Kärnten nicht. Getestet wird in Tirol in den Teststraßen, in Wien mit den Gurgeltests. Was in einem Land gilt, kann im nächsten ganz anders sein. Der Kompetenz-Dschungel ist aber nur eine Sache. Die andere: Bei Kleinkindern ist es schwierig, die Hygieneempfehlungen wie Abstand und Maske umzusetzen. Kinder würden die Mimik der Erwachsenen brauchen, um Vertrauen zu fassen, erklären Pädagogen. Doch auch die möchten natürlich geschützt werden.

Denn Kindergärten, -krippen und Horte sind seit Beginn der Pandemie im laufenden Betrieb. „Wir hatten nie einen Lockdown“, sagt etwa Gerhard Brischnik, Obmann des Kinderbetreuungsvereins Regenbogen in Wien - das dürfte nur der allgemeinen Aufmerksamkeit entgangen sein, kritisiert er. Tatsächlich: In keinem Bundesland liegt die Auslastung in den Kindergärten unter 50 Prozent, zeigt ein „Krone“-Rundruf. In der Steiermark etwa sind 70-80 Prozent der Kinder anwesend, in Oberösterreich sind es 76,3 Prozent, in Kärnten knapp 90 Prozent.

Kindergärten wollen Selbsttests
Mit der Testung der Angestellten ist zudem ein hoher Aufwand verbunden, schildert Brischnik. „Wir müssen die Gurgeltests abholen, im Kindergarten wird getestet, ein Fahrraddienst bringt die Kits ins Labor, und wir müssen alles elektronisch erfassen, damit die Ergebnisse richtig zugeordnet werden können.“ Bis das Ergebnis da sei, dauere es zudem einige Stunden bis Tage, erklärt auch Natascha J. Taslimi vom Netzwerk elementare Bildung Österreich. Sie forderte deshalb auf Ö1, dass auch die Kindergärten mit den Selbsttests ausgestattet werden.

Das machen manche Bundesländer auch - Steiermark, Kärnten, Salzburg und Niederösterreich bestellten bereits. Das Problem: Bei Angestellten im Kindergartenbereich greifen die Berufsgruppentests - diese müssen von Fachpersonal abgenommen und belegt werden. Das geht mit den Selbsttests nicht. Sie können deshalb nur ein zusätzliches Sicherheitsnetz sein, wie etwa die niederösterreichische Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister erklärt.

Dauerproblem: Zu große Gruppen, wenig Personal
„Ich habe schon von sehr vielen Kolleginnen gehört, dass bei ihnen im Kindergarten der Hut brennt. Bei uns hält es sich in Grenzen, personalmäßig unterbesetzt sind wir aber immer - ein Dauerproblem der Kindergärten“, schildert eine Salzburger Kindergärtnerin, die anonym bleiben will. Und in Kärnten wurde Ende 2020 eine Umfrage unter 290 Pädagoginnen gemacht. Nur zehn Prozent meinten, sie könnten die Kinder adäquat und richtig betreuen - die Gruppen seien viel zu groß, es gebe zu wenig Personal. Der Ruf nach einem österreichweiten Rahmengesetz und einer Ausbildungsoffensive wird immer lauter.

Anna Haselwanter und die Bundesländer-Redaktionen der Kronen Zeitung

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