10.01.2021 07:00 |

Wirbel in Gratwein

Gemeinderat wurde von Detektivbüro beschattet

Ein brisanter Fall beschäftigt derzeit die Staatsanwaltschaft Graz: Ein Detektivbüro beschattete einen Gemeinderat von Gratwein-Straßengel. Der Vorwurf: Er würde gar nicht im Ort wohnen. Die Rechnung für die Aktion – 3900 Euro – soll die Gemeinde bezahlt haben, obwohl es dafür keinen Beschluss gegeben hat.

Die Geschichte klingt wie ein Ableger der Meldeaffäre um HC Strache: In einem Brief wurde Harald Mulle, SPÖ-Bürgermeister der Marktgemeinde Gratwein-Straßengel, anonym darüber informiert, dass Gemeinderat Christian Strobl (Oppositionsmitglied und bis Juli 2020 Obmann des Prüfungsausschusses) nicht im Ort, sondern bei seiner Lebensgefährtin in Lannach wohnen würde. Und folglich die Gelder – über 50.000 Euro – zu Unrecht kassiert habe.

Staatsanwaltschaft Graz ermittelt
Kurz darauf beschattete ein Detektiv den Gemeinderat und setzte sogar Markierungen bei dessen Wohnung. Für Strobl und seinen Anwalt Gerald Ruhri ist klar, dass nur Mulle der Auftraggeber sein könne. Denn die Rechnung von 3900 Euro berappte die Gemeinde – ohne entsprechende Beschlüsse gefasst zu haben.

Mittlerweile ist auch die Staatsanwaltschaft Graz am Zug. Gegen Strobl wird nach einer Anzeige wegen Täuschung ermittelt, was Sprecher Hansjörg Bacher der „Krone“ bestätigt.

Anzeige gegen Bürgermeister
Strobls Anwalt Gerald Ruhri hat nun zum Gegenschlag ausgeholt und den Ortschef wegen Untreue und Amtsmissbrauchs angezeigt. Sein Mandant fordert Konsequenzen für Mulle: „Allein die Vorstellung, dass politische Gegner, aber auch Privatpersonen bis in den persönlichsten Bereich von einem Bürgermeister mit Steuermitteln verfolgt werden dürfen, macht mir Angst und erinnert an wenig ruhmreiche Zeiten.“ Vizebürgermeister Mario Schwaiger teilt diese Meinung ebenso.

Mulle weist jede Schuld von sich: Es sei die Gemeinde und nicht er gewesen, die den Sachverhalt mit höchster Sorgfalt geprüft und sich dazu von Experten beraten habe lassen.

Monika Krisper
Monika Krisper
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