18.11.2010 14:39 |

Beherzte Aktion

Steirische Hilfe für Giftschlamm-Opfer in Westungarn

Vor 45 Tagen erst, da flimmerten apokalyptische Bilder über unsere TV-Schirme. Eine giftige Lawine, tiefrot, Menschen, Häuser, Brücken vernichtend. Nicht irgendwo in einem fernen Winkel am Ende der Welt spielten sich die unfassbaren Szenen ab, sondern vor unserer Haustüre. 172 Kilometer von Graz oder eine Autostunde von der Landesgrenze.

Devescer/Kolontar in Westungarn war (und ist) Zentrum der Katastrophe, einer europäischen Tragödie, eines ökologischen Desasters. Der schlimmsten Umweltkatastrophe seit Tschernobyl. Millionen Kubikmeter Schlamm, ätzend, giftig, hatten sich binnen weniger Stunden über die Region gewälzt. Zehn Menschen getötet, mehrere Hundert schwer verletzt. Auslöser: Der Damm einer Aluminiumfabrik war geborsten.

Angst schwappte bald über die Grenze: Was, wenn der Schlamm trocknet, der Wind in unsere Richtung dreht - haben wir dann den giftigen Dreck bald bei uns? Gott sei Dank ist's nicht passiert. Der Floriani - Heiliger St. Florian, verschon' mein Haus, zünd's nächste an - schlich sich schnell in die Köpfe. Das Unglück war für die sogenannte "breite Öffentlichkeit" bald abgehakt. Aus den Augen, aus dem Sinn…

"Forum Hungaricum" packte an
Doch die Tragödie löste, gerade in der Steiermark, auch etwas (Positives) aus: Der Sorge um die eigene persönliche Befindlichkeit folgten bald Betroffenheit und dann - tiefe Hilfsbereitschaft. "Nachbar in Not" in Privatregie, wenn man so will. Das "Forum Hungaricum", quasi die Familie der Auslandsungarn in der Steiermark, hat in Kooperation mit Konsul Rudi Roth angepackt. Per Soforthilfe gingen 100.000 Atemschutzmasken (Wert 500.000 Euro), 1.000 Paar Kinderschuhe (von Humanic) Lebensmittel, Kleidung, das Nötigste, zu den Menschen.

Eineinhalb Monate später ein Lokalaugenschein: Die Region ist noch immer Sperrgebiet - deprimierte, niedergeschlagene Menschen, tief berührend die Kinder, denen das Trauma im Gesicht geschrieben ist. Arbeiter in Ganzkörper-Gummianzügen, Militär, Polizei mit Schutzmasken vor dem Gesicht. Bedrückende Endzeitstimmung, das Grauen ist greifbar…

Dass hier überhaupt noch jemand sein will, das geht schwer in die Besucher-Köpfe. Doch Heimat-Wurzeln sitzen tief. So tief, dass die Menschen zurückkehren. Ohne zu wissen, welche Spätfolgen ein Leben dort haben wird. Und genau denen will die Steirer-Ungarn-Kooperative helfen. Tamas Csicsely, Diplomingenieur, ist einer von ihnen. X-mal war er in der Region und hat nicht zuletzt die eigene Gesundheit riskiert, um zu helfen. Er koordiniert gemeinsam mit dem Pfarrer vor Ort die Steirer-Hilfe.

Versteigerung im Casino als Höhepunkt
Die ist bis dato ordentlich: 50.000 Euro haben Franz Voves und Hermann Schützenhöfer im Namen der Regierung zugesagt, ebenso 50.000 Euro an Kleinspenden sind bereits auf dem Konto. Der Klub Steiermark wird noch Benefiz-Tennis und Fußballturniere organisieren. Als Höhepunkt gibt's am 15. 12. eine Versteigerung von Bildern steirischer und ungarischer Künstler im Grazer Casino.

Für Hilfe ist das Forum Hungaricum dankbar: Konto 02014519058. Die Steiermärkische Bankleitzahl 20815, Verwendungszweck: Spende für Giftschlammopfer.

von Gerhard Felbinger, "Steirerkrone"

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