04.01.2021 06:30 |

Klare Worte

Wallner: „Man lebt ja nicht nur fürs Arbeiten“

Durchaus optimistisch hat sich der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) im APA-Interview geäußert: Es glaubt, dass Vorarlberg gestärkt aus der Coronakrise herausgehen kann. Die Pandemie hätte nicht nur Defizite aufgezeigt, sondern auch Möglichkeiten - das gelte speziell für den Bereich der Digitalisierung.

Die Coronakrise wirke wie ein Brennglas, lege Stärken und Schwächen schonungslos offen, so Wallner. Er nennt ein konkretes Beispiel: „Würden wir die Corona-Bescheide nach den üblichen Verwaltungsabläufen schreiben, würde das Jahre dauern. Mittlerweile werden die Bescheide automatisiert erstellt, zur Zufriedenheit aller.“ Wallner will aus dieser Erfahrung Konsequenzen ziehen: „Wir werden für alle Verwaltungsabläufe und Förderstrukturen die Digitalisierungsfrage stellen. Wir wollen in Zukunft keine Briefe mehr umher schicken.“ Das Ziel: gestärkt aus der Krise zu gehenVor großen Veränderungen steht nach Meinung des Landeshauptmanns auch der Handel. In der Pandemie hätte sich einerseits gezeigt, dass der Online-Handel immer mehr an Bedeutung gewinne, andererseits sei aber ebenso ein Trend zum Kauf regionaler Produkte erkennbar. Folglich gelte es, regionale Online-Plattformen für den heimischen Handel zu entwickeln.

Wallner ist zuversichtlich, dass Vorarlberg gestärkt aus der Krise hervorgehen wird: „Das Land ist so aufgestellt, dass das gelingen kann. Unser Vorteil ist, dass wir auf vielen Standbeinen stehen.“ Die Krise habe auch noch weiterer Stärken Vorarlbergs zu Tage gefördert: So seien etwa die jahrelangen Investitionen in die Sicherheitsstruktur goldrichtig gewesen: „Sonst hätten wir niemals innerhalb weniger Tage 80 Teststationen für die Corona-Massentests aufbauen können.“ Den „Härtetest Corona“ erfolgreich bestanden habe auch das Gesundheitssystem, betont Wallner: Die hausärztliche Struktur hätte sich ebenso bewährt wie das dezentrale Spitalwesen. Die Herausforderung bestehe jetzt vor allem darin, auch künftig genügend Personal zur Verfügung zu haben.

Und wird die Pandemie unsere Gesellschaft verändern? „Das wir zueinander auf Abstand gehen müssen, ist natürlich das Gegenteil von Normalität. Wir brauchen das Verbindende, nicht das Trennende“, sagt Wallner. Er sei aber zuversichtlich, dass sich nach Ende der Krise die geschätzten Strukturen, etwa das Vereinswesen, rasch wieder etablieren werden: „Man lebt nicht nur fürs Arbeiten.“

Wallner ist sich bewusst darüber, dass der „Wiederaufbau“ mit einem enormen finanziellen Aufwand einhergehen wird. Obwohl sich die Schulden des Landes bis Ende 2021 wohl auf 545,4 Millionen Euro verfünffachen werden, müsse niemand Angst vor der Zukunft haben: „Wir haben immer noch die höchste Bonität!“

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