Interview zu Covid-19:

„Wir sollten Vorsicht und Zuversicht kombinieren“

Der Linzer Lungen-Primar Bernd Lamprecht im Interview zum aktuellen Stand bei Behandlung von Covid-19. Womit kann man gegen schwerere Verläufe vorsorgen? Gibt ihm die Impfung Hoffnung?

„Krone“: Einen Durchbruch wie mit der Impfung gibt es offenbar bei der Covid-Therapie bisher nicht. Sind Virenbekämpfer (wie Remdesivir) und Entzündungshemmer (wie das Cortison-Präparat Dexamethason) noch immer die Mittel erster Wahl?
Bernd Lamprecht: Ja, die zwei sind sozusagen die Prototypen für die beiden Phasen der Behandlung. In die Frühphase, zur Reduzierung der Virenlast, gehört das Remdesivir. In die zweite Phase, wo die körpereigene Abwehrreaktion womöglich überschießend ist, können Entzündungshemmer die Sterblichkeit von Patienten reduzieren.

„Krone“: Ist also so etwas wie eine Standardbehandlung von Covid-19 schon möglich?
Lamprecht: Das erfolgt sehr individualisiert, sozusagen maßgeschneidert. Es hängt einmal viel davon ab, in welcher Krankheitsphase sich der Patient befindet, in welchem Zustand er kommt. Auch Verträglichkeit und Verfügbarkeit spielen eine Rolle.

„Krone“: Wann soll man denn mit so einer Infektion ins Spital?
Lamprecht: Zumindest dann, wenn Atemnot besteht, also wenn Menschen in Ruhe oder bei ganz leichter körperlicher Behandlung in Atemnot geraten. Dann ist der Zeitpunkt da, wo man Hilfe suchen sollte.

„Krone“: Kann man denn irgendwie vorsorgen mit Medikamenten oder Vitaminen? Oft heißt es, dass Vitamin D und Zink die Verläufe mildern sollen.
Lamprecht: Da gibt es einige unterschiedliche Beobachtungen. Aber Mangelerscheinungen auszugleichen bzw. vorweg zu vermeiden, ist sicher hilfreich. Zum Beispiel sich bewegen, an der frischen Luft sein, sich ausgewogen ernähren, das sind alles so Selbstverständlichkeiten.

„Krone“: Die Impfung kommt. Welche Gefühlslage ist denn nun aus Ihrer Sicht angebracht?
Lamprecht: Momentan sind wir noch gut beraten, wenn wir Vorsicht und Zuversicht kombinieren. Vorsicht im Sinne der Reduktion von vermeidbaren Risiken und damit von Infektionen. Und Zuversicht in dem Sinn, dass die Impfung in den Zulassungsstudien tatsächlich sehr überzeugende Wirksamkeit und auch eine sehr zufriedenstellende Sicherheit gezeigt hat.

„Krone“: Das heißt, Sie lassen sich auf jeden Fall impfen?
Lamprecht: Ja, sehr gerne. Lieber morgen als übermorgen!

Werner Pöchinger
Werner Pöchinger
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