08.11.2020 16:30 |

Ach, übrigens...

„Make Soccer Great Again“

„Krone Vorarlberg“-Kolumnist Harald F. Petermichl wirft Woche für Woche in seiner Rubrik „Ach, übrigens...“ einen Blick auf die große Welt des Sports - insbesondere des Fußball. Klar, dass er in diesen Tagen da auch an den amerikanischen Präsidentenwahlen und ihrem Zusammenhang mit „Soccer“ nicht vorbei gekommen ist...

Man hätte in diesen Tagen meinen können, das in den USA praktizierte Wahlrecht zur Bestimmung des Siegers eines Twitter-Senioren-Wettbewerbs sei kompliziert. Das entpuppt sich aber bei einem Blick auf die Handspielregel im Fußball rasch als Nonsense, denn zu dieser verhält sich das US-Wahlrecht in Sachen Komplexität wie ein Wälderhaus zum neuen oberirdischen Bregenzer Bahnhof. Schuld an dem Schlamassel sind natürlich die Briten, weil sie 1871, als auf der Insel schon 23 Jahre lang gekickt wurde, auf die unselige Idee kamen, das Handspiel alleine den Torhütern vorzubehalten und so Pandora„s Box öffneten. Denn heute weiß nach all den Regeländerungen der letzten Jahre kein Schwein mehr, was man mit den oberen Extremitäten nun machen darf oder nicht. Fest steht, dass vom Körper gestreckte Arme als „unnatürliche Körperhaltung“ gelten, während die Ballberührung mit „dem oberen Teil des Oberarms bis auf Höhe der Achselhöhle" (wo dieser obere Teil genau beginnt, bleibt ein Geheimnis) straffrei bleibt.

Das soll jetzt aber anders werden, denn der UEFA-Ceferin hat dem FIFA-Infantino geschrieben, er wolle die alte Regel zurück. Welche genau, bleibt zwar im eidgenössischen Nebel, aber irgendwie soll beim Handspiel künftig die Absicht ausschlaggebend sein. Demnach ist davon auszugehen, dass in Zürich und Nyon jetzt erst mal fleißig Band 1 (Bewegungsapparat) des “Sobotta Atlas der Anatomie„ gewälzt wird, um das mit der unnatürlichen Körperhaltung zu vertiefen, bevor das International Football Association Board (IFAB) als zuständiges Gremium ins Spiel kommt.

Das verspricht lustig zu werden, denn vier der acht stimmberechtigten IFAB-Mitglieder sind von der FIFA benannt, können also mit Ausnahme des Vatikans oder der Föderierten Staaten von Mikronesien von wer weiß woher kommen, während die restlichen vier Stimmen von den Verbänden aus England, Schottland, Wales und Nordirland gehalten werden. Und während die vier Weltwahlmänner nur en bloc, also ohne differenzierte Meinung abstimmen dürfen, können die großbritannischen Verbände einzeln votieren, weshalb für die erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit zwei der vier Insulaner gebraucht werden. Die Abstimmung durch Heben der Hand scheint wegen der verbotenen unnatürlichen Körperhaltung ausgeschlossen, also hoffen wir, dass einer der FIFAner aus den USA kommt. Dann könnten wir sicher sein, dass das Ergebnis am Ende so interpretiert wird, wie es am besten passt und wir at the and of the day getrost sagen können: „Make Soccer Great Again!“

Harald F. Petermichl

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