20.10.2020 09:30 |

Bauern betroffen

Hilflos zusehen müssen, wie die Ernte vertrocknet

Erst Wetterkapriolen, dann die Kirschessig-Fliege: Vor allem steirische Holunderbauern müssen heuer riesige Einbußen verkraften.

Die steirischen Holunderbauern haben heuer im Schnitt 50 Prozent weniger Ertrag: Bitter - man muss sich ja nur als Arbeitnehmer vorstellen, dass man nur die Hälfte des Lohns bekommt, obwohl man die volle Arbeitsleistung erbringt.

„Freilich rechnet man fix mit dem Geld, um über die Runden zu kommen. Die Situation ist sehr bedrückend“, bestätigt etwa Helmut Maurer aus Ilz. Seit mittlerweile 25 Jahren baut er Holunder an, es ist sein Haupteinkommen. Das sich heuer um die Hälfte verringert: „Durch die Wetterkapriolen waren schon die vorigen Jahre eine Herausforderung. Aber das heurige Jahr war das ärgste bis dato.“

Erst der Regen, danach die Kirschessig-Fliege. „Die hatten wir schon in den Vorjahren, aber nie so extrem. Die Bedingungen für den Schädling waren heuer nämlich ideal. Der milde Winter hat die Bestände nicht sehr dezimiert, und das feuchte Wetter, das sie mögen, hat ihre Zahl zusätzlich erhöht.“

Besonders fies: Das Insekt kommt erst, wenn die Ernte schon zum Greifen nahe ist, die Beeren prall und saftig vom Baum hängen! Dann legt die kleine, eingewanderte Fliege die Eier in die Frucht, daraus werden Larven - und „als Holunderbauer steht man davor und kann nur hilflos zuschauen, wie die Ernte austrocknet und verschrumpelt“. Freilich gäbe es Pflanzenschutz, „aber dagegen hat die Fliege teils sogar schon Resistenzen entwickelt“.

Schädling setzt sich in fertige Beere

Und, das sagt auch die Landwirtschaftskammer: Pflanzenschutz, die Einstellung der Gesellschaft dazu und der Wunsch nach mehr Regenwürmern auf kraftvollen Humusböden in Einklang zu bringen - das sei eine Herausforderung. 

Helmut Maurer: „Ein Kollege hat sogar 90 Prozent der prognostizierten Ernte verloren! Wenn das so weitergeht, steht der steirische Holunderanbau wirklich auf der Kippe.“

Durchwachsen: So kurz und bündig bewertet die Kammer die Ernte.

Es steht überall ein (teils fettes) Minus, außer bei Wein, Mais, Getreide.

Holunder: 350 Holunderbauern haben ihre Anbauflächen ohnehin schon auf 1000 Hektar verringert; und heuer enorme Ausfälle.

Grünland: Die Engerling-situation - die vor allem, wie berichtet, in der Obersteiermark teils dramatisch war - hat sich etwas entspannt, Schäden hat der Vielfraß aber dennoch angerichtet. Auch die Dürre sorgte regional für weniger Erträge.

Marillen, Kirschen: teilweise Totalausfälle. Auch bei Äpfel fehlt ein Drittel.

Mais: Die hohen Niederschläge haben dem Mais gut getan und lokal zu Rekorderträgen geführt.

Weizen und Gerste: Trotz Trockenheit total gut!

Soja: Die niedrigen Preise haben zu einem neuerlichen Minus bei den Anbauflächen von einem Viertel geführt, im Jahr davor waren es schon minus 12 Prozent. Die Erträge wurden teilweise „ertränkt“.

Beeren: Die wichtigen „Superfoods" brachten keine schlechten Erträge.

Die 45 Millionen Schäden entfallen auf Frost (26 Millionen), Dürre (4), Hagel und Starkregen (15 Millionen).

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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