18.10.2020 14:30 |

Welt des Adels

Frauen mit Krone & Zepter

Die Vorarlberger Adelsexpertin Lisbeth Bischoff beleuchtet in ihrem aktuellen Buch die neue Generation an der Spitze der europäischen Königshäuser.

Die Zukunft ist weiblich - dieser Slogan trifft mittlerweile auch auf Blaublüter verstärkt zu. Denn die Hälfte von Europas Monarchien wird dank neuer Thronfolgegesetze bald von Frauen regiert werden. „Das war noch nie da. Endlich sind die Royals im 21. Jahrhundert angekommen“, freut sich Lisbeth Bischoff. In ihrem neuen Buch „Frauen für die Krone“ hat sie sich intensiv mit diesem Phänomen auseinandergesetzt.

Derzeit werden die Prinzessinnen Elisabeth von Belgien, Catharina-Amalia (Niederlande), Ingrid Alexandra (Norwegen), Victoria und Estelle (Schweden) sowie die Infantin Leonor von Spanien auf Krone und Zepter vorbereitet. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen: „Die Ausbildungsprogramme sind gleich hart, wie für ihre männliche Pendants. Da sie auch Machthaberinnen über das Militär sind, bleibt ihnen das nicht erspart“, so die Adelsexpertin. Disziplin ist immer noch eine der wichtigsten Tugenden, die eine Königin in spe beherrschen sollte. Ansonsten hat sich im Laufe der Zeit das Anforderungsprofil deutlich verändert: So sind die europäischen Monarchen keine Regenten mehr, sondern in erster Linie Repräsentanten ihres Landes. 

Den Umgang mit Medien, Verantwortungsbewusstsein, die Regeln der Etikette und ein modernes Auftreten bekommen sie von klein auf mit - oft auch von bürgerlichen Müttern wie etwa Königin Máxima, Kronprinzessin Mette-Marit oder Königin Letizia. Das Heiraten einer Bürgerlichen ist übrigens ebenso eine recht junge Tradition im europäischen Adel: „Auch Königskinder heiraten heute mehr aus Liebe, denn aus Berechnung“, so Bischoff. Zu Zeiten der Habsburger war das bekanntlich noch ganz anders: Damals wurden die Kinder regelrecht „verschachert“, um Land zu horten.

Die Autorin setzt in die angehenden Königinnen große Hoffnungen. „Die Rolle der Frau war in den Königshäusern bis dato eine Tragödie - ihre Agenda beschränkte sich auf Wohltätigkeitsveranstaltungen. Meist waren sie nur schmückendes Beiwerk, manche schafften es immerhin zu Modeikonen - Herzogin Kate ist dafür das beste Beispiel“, plaudert die Expertin aus dem Nähkästchen. Sie hofft, dass die angehenden Monarchinnen eine neue Kultur etablieren werden: „Ich glaube, dass Frauen mehr mit Herz und Gefühl regieren.“

Eine Vorreiterrolle in Sachen weiblicher Regentschaft hat natürlich Queen Elizabeth inne. Mit ihren 94 Lenzen nimmt sie immer noch eine Unzahl an Terminen war - getoppt wird sie innerhalb ihrer Familie nur von Tochter Anne. Diese Bereitschaft zur Selbstaufopferung ist bei der heutigen Generation der Royals bei weitem nicht mehr so ausgeprägt: „Zum einen hat die Queen bei ihrer Krönung versprochen, dass sie ihr Leben lang regieren werde - und das tut sie auch. Und zum anderen dankt sie meiner Meinung nach auch nicht ab, weil sie weiß, was danach kommt“, kann sich Bischoff einen Seitenhieb auf Kate & Co. nicht verkneifen.

Ihre Treue zur Monarchie bewies die britische Regentin auch im Fall von Prinz Harry und Herzogin Meghan, die sie ohne mit der Wimper zu zucken aus ihren Adelspflichten entließ. „Harry und Meghan wollten Teilzeit-Royals sein. Das hat sie sich nicht gefallen lassen“, so die Expertin. Eines hat sich freilich nicht verändert: Die Adelshäuser faszinieren - gerade dann, wenn hinter den königlichen Palastmauern die Fetzen fliegen und es so richtig menschelt.

Sandra Nemetschke
Sandra Nemetschke
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