24.09.2020 15:17 |

Brisante VfGH-Debatte

Sterbehilfe: Hintertürchen und Nazi-Gesetz

Was sie nicht will: „Ein Hintertürchen.“ Und ein entwürdigendes Leben. Was sie will: sterben, wenn sie es für richtig hält. Nicola G. ist das Gesicht zur Debatte um eine Gesetzesänderung betreffend Sterbehilfe. Denn sie leidet an Multipler Sklerose und sitzt bereits im Rollstuhl. Der Verfassungsgerichtshof muss entscheiden.

Vor der Tür des Verfassungsgerichtshofes wurde am Donnerstag für das Recht des selbstbestimmten Sterbens protestiert, auch drinnen prallten quasi Welten aufeinander.

Laut Gesetz sind in Österreich aktive Sterbehilfe und auch Beihilfe zum Selbstmord verboten. Zu Recht, meinen Befürworter wie die ehemalige Wiener Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann: „Es muss eine Tötungshemmung geben, schon aus der Geschichte des Nationalsozialismus heraus.“ Anwalt Wolfram Proksch wies darauf hin, dass die Mitwirkung am Selbstmord erst im Austrofaschismus strafbar wurde.

Pilnacek: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Ärztegesetz
Ebenfalls ablehnend äußerte sich Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek: „Wir haben eine Patientenverfügung, mit der ich lebenserhaltende Maßnahmen ablehnen kann. Es gibt eine Vorsorgevollmacht und das Ärztegesetz. Paragraf 49a regelt, dass eine Schmerztherapie auch dann eingesetzt werden darf, wenn sie den Tod eines Sterbenden beschleunigt.“

Das sieht auch Palliativ-Spezialist Prof. Herbert Watzke vom Wiener AKH so: „Wir haben die Möglichkeiten, um menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen.“ Etwa wenn Sterbende auch noch - oft - Infektionen bekommen und sie keine Antibiotika-Therapie mehr wollen.

Das ist für Nicola ein „Hintertürchen“, durch das sie keinesfalls gehen will: „Ich muss mir also nur eine Infektion zuziehen, dann ins Krankenhaus fahren und mich nicht behandeln lassen. Das ist nicht die Würde, die ich meine!“ Sie weiß, dass ihre Erkrankung fortschreiten wird: „Wenn die MS meine Arme erfasst, werde ich gefüttert und gewickelt werden müssen. Dann ist mein Leben für mich entwürdigend.“ Für sie ist der Kampf um Sterbehilfe ihr wohl wichtigster.

Der Verfassungsgerichtshof hatte das Thema schon in der Juni-Session behandelt, das Erkenntnis ergeht schriftlich.

Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 17. Mai 2021
Wetter Symbol