18.09.2020 13:32 |

ATB-Werk in Spielberg

„An der Entscheidung ist nicht mehr zu rütteln“

Seit am 24. Juli das Aus für die Motoren-Produktion bei ATB Spielberg - und somit 360 Jobs - verkündet wurde, ist die Wut bei Mitarbeitern, Gewerkschaftern und Teilen der Politik groß. Im Fokus: der chinesischen Eigentümer, aber auch ATB-Spielberg-Geschäftsführer Rolf Primigg. Die „Steirerkrone“ sprach mit ihm.

Herr Primigg, laut Betriebsrat war das Aus für die Produktion in Spielberg von langer Hand geplant und Corona wird nur als Grund vorgeschoben. Ist da was dran?
Das kann ich ausschließen. Natürlich hatten wir seit längerer Zeit ein strukturelles Problem, das zeigen 20 Millionen Euro Zuschüsse durch die Gesellschafter in den vergangenen Jahren. Die Corona-Krise war der finale Auslöser. Wir haben Volumen auf der Absatzseite verloren, auch die Lieferanten hatten aufgrund der Krise zu kämpfen. Eine klare Lösung war gefragt.

Das heißt, die Produktion wäre über kurz oder lang ohnehin eingestellt worden?
Ich will über „was wäre wenn“ nicht spekulieren. Corona hat den Prozess jedenfalls beschleunigt.

ATB Spielberg hat Insolvenz angemeldet, im Insolvenzverfahren wurden die Maschinen an andere ATB-Gesellschaften verkauft und werden nun nach Polen und Serbien abtransportiert. An diesem Vorgehen gibt es viel Kritik. Ist das für Sie nachvollziehbar?
Wir haben uns im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten bewegt, diese hat nicht der Konzern gemacht. Wir haben im Verfahren den Zuschlag als Bestbieter erhalten.

Laut Betriebsrat gibt es Investoren, die das ganze Werk kaufen wollen.
Es gab nie die Absicht, den gesamten Standort zu verkaufen. ATB Spielberg ist in einen Werksverbund integriert, die Liegenschaft und die Gebäude gehören ihr gar nicht. Der Investor hat für etwas geboten, was nicht zum Verkauf stand. Hier wurden falsche Hoffnungen geschürt.

Am ersten Tag nach dem Betriebsurlaub wurden viele Kündigungen ausgesprochen, das dauerte mehrere Stunden. Von unmenschlichen Bedingungen ist die Rede.
Man kann Kündigungen nicht pauschal in einer großen Runde aussprechen. Wir haben uns individuell den Mitarbeitern gewidmet und Fragen beantwortet, die Länge kann man nicht genau planen. Zudem stimmt der Vorwurf, wir hätten an diesem Tag verboten, zu essen und zu trinken, nicht.

Ein weiterer Vorwurf des Betriebsrats: Mitarbeiter müssen jeden Tag kommen, dann wird entschieden, wer bleiben und wer gehen darf.
Die Mitarbeiter haben einen aufrechten Arbeitsvertrag. In Teilbereichen wird noch produziert, auch für die Verlagerung sind Tätigkeiten notwendig.

Falls die Mitarbeiter nicht freiwillig das Arbeitsverhältnis beenden, muss ATB auch weiterhin die Löhne zahlen und nicht der staatliche Insolvenz-Entgeltfonds. Ein Druckmittel der Belegschaft?
Nein, ich sehe darin keine Gefahr und kein Druckmittel, auch wenn das gerne kolportiert wird. Wir mussten einen Sanierungsplan vorliegen, die Finanzierung ist sichergestellt. Für die Mitarbeiter hätte es allerdings nur Vorteile, wenn sie freiwillig austreten, sie wären ja sofort freigestellt bei vollen Bezügen.

Wie weit ist der Abbau der Maschinen gediehen? Es werden Probleme kolportiert?
Der Verlagerungsprozess verläuft reibungslos, wir sind im Wesentlichen im Zeitplan. Es wird ja in den Schwesterwerken nicht der komplette Maschinenpark benötigt. In Teilbereichen wird in Spielberg noch produziert, wir rechnen mit einem endgültigen Stopp Ende November, spätestens Anfang Dezember. Bis Ende des Jahres wird der Verlagerungsprozess planmäßig abgeschlossen sein.

Der Betriebsrat gibt nicht auf, will weiterkämpfen.
Dass der Betriebsrat versucht hat, alle Möglichkeiten auszunutzen, kann ich verstehen, aber an der Entscheidung ist nicht mehr zu rütteln. Spätestens jetzt sollte sich der Betriebsrat damit beschäftigen, was noch für die Mitarbeiter herauszuholen ist. Wir haben ihnen angeboten, bei der Verlagerung der Maschinen zu unterstützten. Das ist emotional natürlich nicht einfach, es gibt aber Incentives, also Extraprämien. Wir haben faire Angebote gemacht. Es hilft nicht, immer nur dagegen sein. Der Betriebsrat verhinderte dadurch Möglichkeiten für die Belegschaft, unter anderem auch mögliche Unterstützung für Maßnahmen nach der Schließung des Produktionsstandortes. An der Verlagerung wird das aber nichts mehr ändern.

Jakob Traby
Jakob Traby
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