09.09.2020 17:00 |

Soap&Skin in Graz

Sturm der Klangwellen für ausgehungerte Ohren

Während kleine Grazer Clubs und Konzertveranstalter immer noch unter Corona leiden, starten die Grazer Spielstätten vorsichtig den Konzertbetrieb. Der Auftritt der Steirerin Anja Plaschg alias Soap&Skin auf der Kasemattenbühne war das erste größere Pop-Event seit März und nicht nur deshalb voller Gänsehautmomente.

Die Zögerlichkeit, mit der die gebürtige Steirerin Anja Plaschg auch früher schon oft ihre Konzerte begonnen hat, ist eine Wohltat für die ausgehungerten Ohren des Grazer Publikums. Seit Monaten haben sie keine Pop-Konzerte gehört und müssen sich erst langsam wieder an das Live-Erlebnis gewöhnen. So kommt es einem Erwachen aus dem Dornröschenschlaf gleich, wenn die ersten Nummern fast ausschließlich mit Streichern, zärtlichen Bläsern, Klavier und Stimme daherkommen.

Gänsehautmomente
Doch als Plaschg das erste Mal in die Saiten greift und ihre E-Gitarre übersteuern lässt, geht die Gänsehaut wie eine Laola-Welle durchs Publikum. Spätestens dann sind alle gedanklich zumindest für einige Momente befreit von der ersten und zweiten Corona-Welle und reiten genüsslich die Klangwellen, die Soap&Skin über sie hinwegprasseln lässt.

Dabei ist die Setlist gar nicht so unterschiedlich zu ihrem letzten großen Auftritt in Graz - beim Springfestival 2019 ebenfalls auf der Kasemattenbühne: Auch damals trug sie weiß, und die Musiker trugen schwarz. Auch damals war das Zusammenspiel mit ihren Musikerinnen und Musikern einfach himmlisch. Und auch damals kam der Auftritt einem großen Crescendo gleich, das sich in Wellen vom piano pianissimo zum forte fortissimo steigert.

Pure Wirkmacht der Musik
Was dieses Mal jedoch anders, noch intensiver, zu sein schien, war die pure Wirkmacht der Musik. Musste Plaschg etwa im vergangenen Jahr ihre grandiose Coverversion von „Voyage“ zweimal unterbrechen, weil das Publikum zu laut war, so hingen ihr die Konzertbesucher dieses Mal an den Lippen. Die Fragilität der Welt, die sie immer schon gesehen und besungen hat, wurde uns in den vergangenen Monaten allen schmerzhaft vor Augen geführt.

Und so sticht beim heurigen Konzert auch eine neue Nummer besonders heraus: Es ist eine Coverversion von „Lazarus“, einem der letzten Songs, die David Bowie vor seinem Tod geschrieben hat und mit dem er sich quasi selbst einen musikalischen Grabstein gesetzt hat. Es gibt einen Anfang, ein Ende und dazwischen jede Menge Musik!

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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