09.08.2020 07:00 |

Abschlepp-Alltag

Jö schau: Da sind zwei Nackerte im Kofferraum

Er ist der älteste „Abschlepper“, sein Fankreis hält sich in überschaubaren Grenzen, und er weiß, was er davon zu halten hat, wenn Nackte aus dem Kofferraum springen: Franz Wuthe, der seit 1973 den Abschleppdienst in Graz betreibt, plaudert aus dem Nähkästchen.

Dass er und sein Gewerbe, das er seit 1973 in Graz betreibt, nicht zu den beliebtesten gehören, ist Franz Wuthe klar - auch wenn er selbst es nicht ganz versteht: „Wir sehen uns als Retter und Dienstleister. Wir kommen ja nicht zum Spaß, sondern meist im Auftrag der Behörde - auch, weil Leute auf Behindertenparkplätzen stehen oder Rettungszufahrten blockieren. Und wir leisten vor allem Pannendienste.“ Falschparker machen von seinem Umsatz lediglich zehn Prozent aus.

Geschmuggelter Goldbarren im Auto

Und manchmal leistet er auch Dienste für die Exekutive, so wie in dem Fall, als in einem abgeschleppten Auto, versteckt in Hohlräumen, ein geschmuggelter Goldbarren und eine Waffe zu finden waren.

Gut 14.000 Einsätze verzeichnen er und sein Team, das in zehn Fremdsprachen wortgewandt ist, pro Jahr, rund um die Uhr ist seine Firma erreichbar. Und die Mitarbeiter erleben auch viel: dass Hunde sich ins Auto ducken und dann unentdeckt mitabgeschleppt werden, sorgte durchaus auch schon für mediale Aufschreie.

Alkoholisierte verschlafen die Abschleppung gern

Manchmal lägen aber auch Alkoholisierte drin, die man nachts nicht sieht und die auch der Abschleppvorgang nicht wecken kann. Etwas amüsiert erinnert sich Wuthe auch an das Pärchen, das, als das Fahrzeug angehoben wurde, nackt hinten aus dem Kastenwagen sprang. „Die haben sicher drin geschlafen“, mutmaßt der Firmenchef.

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Manche schreien, drohen, beleidigen uns. Wir müssen leider manchmal auch die Polizei holen.

Franz Wuthe, Abschlepper von Beruf

Viele seiner Kunden seien einsichtig, viele natürlich grantig - und manche hängt es sogar aus. „Die schreien, drohen, beleidigen. Wir müssen manchmal leider auch die Polizei holen. Einmal hat einer gesagt, dass er mit einer Waffe zurückkommt. Und die Polizei hat dann tatsächlich eine geladene Pistole in seinem Wagen gefunden. Einem Mitarbeiter hat jemand einmal ein Messer am Bauch angesetzt und gebrüllt: ,Ich stech dich ab!‘“ Da war dann der Kunde schon „netter“, der sich nur wortlos einen Kaffee aus dem Automaten gedrückt und den dann schwungvoll über das Pult geschüttet hat. Die Auslage wurde auch schon einmal eingeschlagen. Ein Leben als Abschlepper -

Christa Blümel
Christa Blümel
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