12.07.2020 18:34 |

Gouverneur in Haft

„Dieb“: Sibirische Stadt revoltiert gegen Putin

Auch solche seltenen Nachrichten gibt es in Russland: Im äußersten Osten des Landes, acht Flugstunden von Moskau entfernt, wo sprichwörtlich „der Zar weit weg ist“, wird die sibirische Stadt Chabarowsk von einer Mini-Revole gegen Präsident Wladimir Putin erschüttert. Seit Tagen demonstrieren Zehntausende Menschen mit Parolen wie „Wir wollen unseren Gouverneur wieder haben!“ und „Putin - Dieb!“.

Der Gouverneur Sergej Furgal war verhaftet worden - unter dem überraschenden Vorwurf, er habe in den wilden Neunzigerjahren zwei Geschäftspartner ermorden lassen. Wie in Russland üblich, werden andere Zusammenhänge vermutet: Der Gouverneur hatte bei der Wahl den Kandidaten der Kreml-Partei besiegt. Seither wurde die Stadt von den Kreml-Bürokraten schikaniert.

In Chabarowsk sprachen Beobachter von den größten Demonstrationen seit Jahren. Die Polizei schätzte am Samstag die Zahl der Teilnehmer der Proteste in der Region auf bis zu 12.000. In Medienberichten schwankten die Zahlen zwischen 30.000 und 65.000. Am Sonntag berichtete das Team des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny von 2000 Teilnehmern. Am Abend gab es Berichten zufolge Proteste mit mehr als 1000 Menschen.

„Die Menschen sind wütend“
Der regierungskritische Politiker Gennadi Gudkow sagte dem Radiosender Echo Moskwy, die Proteste seien eine letzte Warnung an Kremlchef Putin. „Die Menschen sind wütend, verärgert, verarmt und sehen keine Perspektiven mehr für sich.“ Außerdem hätten sie genug von der Willkür der Bürokraten und Sicherheitskräfte. Der Politologe Abbas Galljamow sieht in den Protesten auch eine deutliche „Anti-Moskau-Haltung“ der Menschen in den fernen Regionen Russlands.

Das Land hatte erst vor gut zwei Wochen über eine neue Verfassung abgestimmt. Das neue Grundgesetz erweitert die Machtbefugnisse des 67 Jahre alten Präsidenten Putin und ermöglicht ihm das Regieren bis 2036, sollte Putin wiedergewählt werden.

Kronen Zeitung/krone.at

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