19.06.2020 06:00 |

In der Südsteiermark

Corona machte die Mur wieder zum Grenzfluss

Das Virus bedeutete tiefen Einschnitt für die südsteirische Bevölkerung. Bad Radkersburg und Gornja Radgona wachsen nun wieder zusammen. Die beiden Bürgermeister sprachen beim „Krone“-Besuch über das Leben dies- und jenseits des Flusses.

Jetzt wächst wieder zusammen, was zusammengehört. Durch ein Virus war die Mur in den letzten knapp drei Monaten wieder das, was sie über viele Jahrzehnte hinweg war - ein Grenzfluss zwischen zwei Welten. Und wohl nirgends wurde einem das so vor Augen geführt, wie im südöstlichsten Zipfel der Steiermark. Plötzlich standen nämlich auf beiden Seiten der historischen Brücke zwischen Bad Radkersburg und dem slowenischen Gornja Radgona wieder Soldaten und Polizisten - ein Übertritt war nur mit Ausnahmegenehmigung möglich.

„Auf der österreichischen Seite stehen noch Soldaten“
„Aber schau’“, lächelte Stanko Rojko, seit sechs Jahren Bürgermeister im einstigen „Oberradkersburg“, beim Lokalaugenschein auf der Brücke zur „Krone“, „bei euch in Österreich stehen noch immer Soldaten und es wird sogar eine neue Grenzstation gebaut - bei uns sind sie schon weg und auch der Grenzcontainer verschwindet bald.“

Sein Radkersburger Amtskollege Heinrich Schmidlechner nickt zustimmend: „Ich kann verstehen, dass das zu Irritationen führt - aber dadurch können künftige Kontrollen, die sich ja hauptsächlich gegen Schlepper richten, leichter durchgeführt werden. Klar ist aber auch, dass die Slowenen das Virus durch rigorosere Maßnahmen als bei uns, relativ schnell im Griff gehabt haben. Man durfte ja sogar die eigene Gemeinde nur in Ausnahmefällen verlassen.“

Viele gemeinsame Projekte
Corona bedeutete für die Menschen hier jedenfalls einen tiefen Einschnitt. Darum war das Aufatmen auch förmlich hörbar, als die Grenzbalken vor zwei Wochen wieder aufgingen. Spätestens seit der Unabhängigkeit Sloweniens (1991) lebt man hier wieder auf beiden Seiten der Mur - der Fluss verbindet heute mehr als er früher getrennt hat.

So macht man beim Hochwasserprogramm „go-Mur-ra“ gemeinsame Sache und die Feuerwehren intensivieren seit 2019 im Rahmen eines EU-Projekts ihre Zusammenarbeit. Aus den Köpfen der Bevölkerung ist die Grenze ohnehin längst verschwunden. „Während der Schließung hat man erst gesehen, wie tief verankert das Bedürfnis mittlerweile geworden ist, auf die jeweils andere Seite zu kommen - er ist eigentlich selbstverständlich“, sagt Schmidlechner. „Wir sind in den letzten Jahren zu einer Stadt geworden - auch während der Flüchtlingskrise hat unsere Zusammenarbeit hervorragend funktioniert“, ist Rojko überzeugt.

Der Wunsch nach einer Zugverbindung
Regelmäßig tauscht er sich deshalb mit seinem Gegenüber aus - erst gestern lud der Parteiunabhängige Schmidlechner zum feierlichen Spatenstich für die neue 4,5 Millionen Euro teure Sporthalle in Gornja Radgona ein.

Um die seit dem Vertrag von Saint Germain geteilte Stadt weiter zu vereinen, haben beide Ortschefs einen großen Wunsch: den Lückenschluss der Zugverbindung. Auf slowenischer Seite wird dafür gerade eine Studie für eine neue, schnellere Bahnstrecke durchgeführt.

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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