16.06.2020 08:00 |

Corona-Bilanz

Frauenhäuser: „Hätten Infizierte aufnehmen können“

Während China und andere Länder im Lockdown steigende Fälle von häuslicher Gewalt verzeichneten, blieb der Ansturm auf die Gewaltschutzeinrichtungen in der Steiermark – und ganz Österreich – aus. Rigoros vorbereitet war man trotzdem. Michaela Gosch, Leiterin der steirischen Frauenhäuser, zieht Bilanz.

Der coronabedingte Lockdown war für viele eine Belastung – und für jene, die in einer Gewaltbeziehung leben, ganz besonders. Von überall her kamen die Meldungen über mehr häusliche Gewalt. „Wir waren gerüstet, der Ansturm ist aber nicht gekommen“, sagt Frauenhäuser-Leiterin Michaela Gosch. „Es gab sogar einen gegenteiligen Effekt: Wir hatten weniger Aufnahmen und Beratungen.“

Woran das liegt, ist schwer zu erklären. „Die Corona-Zeit war kein besonders sicherer Zeitpunkt, um die vertrauten vier Wände zu verlassen“, sagt Gosch. Außerdem hätte das Virus als „gemeinsamer Feind von außen“ zum Zusammenrücken bewegt. Bei den Frauen, die während Corona gekommen sind, wären andere Auslöser verantwortlich gewesen. Nur eine einzige berichtete von mehr psychischer Gewalt.

Isolierte Wohung für infizierte Frauen
Den Gewaltschutz aufrecht zu erhalten, war dennoch wichtig. Im Notfall hätte man sogar einer infizierten Frau helfen können, denn in Kapfenberg gibt es eine isolierte Wohneinheit. Zuerst mussten alle Neuzugänge in Graz zwei Wochen lang in Quarantäne. Normalerweise dürfen Frauen übrigens sechs Monate im Haus bleiben – da sie jetzt aber nicht ausziehen konnten, wurde die Zeit verlängert.

Die Auflagen im Haus waren streng und wurden gut eingehalten. „Auch Kinder haben brav ihre Masken getragen“, sagt Gosch.

Nun bewegt sich alles langsam zum Normalzustand hin, es gibt wieder mehr Aufnahmen. Vorsicht herrscht nach wie vor.

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