04.05.2020 15:22 |

Heiratete Terrorist

Frau von IS-Rapper „Deso Dogg“ bestreitet Vorwürfe

Die frühere Frau des mutmaßlich bereits vor längerer Zeit in Syrien getöteten deutschen Dschihadisten und ehemaligen Rappers Denis Cuspert muss sich seit Montag in Hamburg vor Gericht verantworten. Der Staatsschutzprozess begann mit der Anklageverlesung, wie eine Sprecherin des Oberlandesgerichts (OLG) in der Hansestadt sagte. Die Angeklagte soll sich in Syrien dem IS angeschlossen und eine jesidische Jugendliche als „Sklavin“ gehalten haben. Die Frau bestreitet alle Vorwürfe.

Nach Erkenntnissen der Ermittler begab sich die 35-jährige Omaima A. im Jänner 2015 mit ihren drei Kindern im Alter von acht Monaten sowie zwei und acht Jahren aus Deutschland zum IS nach Syrien, wo sich ihr damaliger Ehemann aufhielt. Nach dessen Tod bei einem Luftangriff heiratete sie dort später nach islamischem Recht den deutschen Dschihadisten Cuspert, der durch IS-Propagandavideos bekannt wurde.

Kinder mit IS-Ideologie erzogen
Die Deutsch-Tunesierin hielt sich demnach bis September 2016 in dem Bürgerkriegsland auf, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte. A. habe sich dort in die Strukturen des IS eingegliedert, sich zu dessen Ideologie bekannt und ihre Kinder in dessen Sinn zu einem „kriminellen Lebenswandel“ erzogen, hieß es in der Anklageschrift. Auch Verstöße gegen Erziehungs- und Fürsorgepflichten gegenüber der eigenen Kinder gehören zu den Vorwürfen. In dem Verfahren sind zunächst 13 Verhandlungstage bis Anfang Juli angesetzt.

Die Angeklagte erhielt demnach unter anderem auch Geldzahlungen vom IS und hielt weiters eine 13-Jährige als „Sklavin“ in ihrem Haushalt in der Stadt Rakka. Das Mädchen gehörte zur religiösen Minderheit der Jesiden, an der der IS einen Völkermord verübte. Dies stuft die Anklagebehörde als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Menschenhandel ein.

Angeklagte weist Vorwürfe zurück
Omaima A. ließ zum Auftakt der Verhandlung alle Vorwürfe durch ihren Verteidiger zurückweisen. Sie habe ihre Kinder betreut und den Haushalt geführt, erklärte der Anwalt Tarig Elobied am Montag. Das sei ihre Pflicht gewesen. Die Anklage wolle aus politischen Motiven jeden Aufenthalt im früheren IS-Gebiet kriminalisieren. Auch habe die 35-Jährige keine Sklavin gehalten.

Ex-Rapper bei Luftangriff getötet
Cuspert, der als Rapper unter seinem Künstlernamen „Deso Dogg“ auftrat, blieb nach Erkenntnissen der deutschen Ermittler auch nach der Rückkehr der Angeklagten weiter in Syrien beim IS. Dort wurde er anscheinend bei einem Luftangriff Anfang 2018 getötet. Vor der Trennung soll sich das Paar zerstritten haben. A. wollte demnach nach Deutschland, um ihr viertes Kind zur Welt zu bringen.

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